Platzhalter
 

Text des Monats

Nicht Raum lassen unseren Ängsten
Betrachtung zu Hiob 26,7

Gott spannt den nördlichen Himmel über den leeren Raum und hängt die Erde am Nichts auf. Er bindet den Regen in seine Wolken ein, ohne dass sie unter seinem Gewicht zerplatzen. Er umgibt seinen Thron mit Wolken, sodass man keinen Blick darauf werfen kann. Den Horizont hat er im Bogen über dem Meer ausgebreitet, er bildet die Grenze zwischen Licht und Finsternis.
Hiob 26,7

Als Kind habe ich einfach gelebt. Ich hatte Vertrauen. Hoffnung. Von Zeit zu Zeit habe auch ich mich geängstigt. Aber ich hatte nie Angst. Jetzt sitzt sie mir im Nacken, schüttelt mich mal durch und lässt mich wieder fallen. Dann sitz ich da, in meinem „unverdienten“ Leben und frage mich: „Wann, wann nur trifft es mich?“ Es gibt so viel Leid auf dieser Welt, unzählige Schicksalsschläge. Nicht nur weit entfernt, sondern auch ganz unmittelbar. Jeden Tag erkranken Menschen so unvermittelt und bösartig, dass sie mit einem Mal ihre Träume begraben müssen. Jeden Tag kommt irgendwo ein Familienmitglied das letzte Mal nach Hause und niemand weiß, dass es ein Abschiedsblick – oder das letzte Wort war, das gesprochen wurde. Jeden Tag geschehen unzählige Tragödien.

Dann bin auch ich schockiert, berührt, tief ergriffen oder erkranke für Stunden, Tage am Schmerz dieser Welt, dem ich scheinbar schwerlich etwas entgegensetzen kann. Gerade ich mit meinem eigentlich so blumigen Leben. Dann vergeht viel Zeit. Manchmal aber höre, lese oder sehe ich, wie ein so schmerzerfülltes Herz aus Staub und Verzweiflung wiederauferstand.  Nach dieser Zeit wirkt es so viel stärker, bemächtigter, ja berufener als zuvor. Fast scheint es, als sei ein neuer Mensch aus diesem Elend hervorgegangen, weil er erst dadurch erfahren hat, wofür es sich zu leben und zu kämpfen lohnt. Vor allem aber, was Gott durch ihn hindurch bewirken will. 

Dann und wann beschleicht mich das Gefühl, dass gerade den Menschen, die Gräben hinter sich haben, denen sie gerade so entrannen, durch Gott die größte Wirkungskraft und Vollmacht zuteilwird. Dass sie genau dadurch erst ihre wahre Stärke in Gott finden. Dass sie erst durch ihre innere Leere erneuert werden können und nun in der Lage sind, in wahrer Demut zu leben, egal wieviel Wirkungskraft ihnen gegeben wird.  Dann scheint es mir, als ob Gott sich erst durch dieses „leere“ Menschengefäß vollständig investieren und entfalten konnte. Dass er dadurch wiederaufbaute und neu gestaltete. Diese Menschen zeigen, wie Gott einen neuen Himmel über den leeren Raum ihrer Herzen spannt und ihre kleine Welt scheinbar am Nichts aufhängt, sodass sie wieder Halt spüren.

Die Angst vor dieser Leere sitzt mir im Nacken. Gleichzeitig sehne ich mich nach einem Weg, mich endlich und gänzlich von Gott ausfüllen zu lassen. Gott aber wirkt nicht durch meine Ängste hindurch. Sie sind niemals von ihm. Gott ist es aber, der mich in ihnen auffängt und mir eine neue Identität gibt, wenn ich doch in sie hineinfallen sollte. Möglich, dass ich in meinem Leben noch Schlägen ausgesetzt sein werde. Möglich, dass mein Glauben an Gott und dass an ihn gebundene Vertrauen bis zur Zerreißprobe geführt wird. Möglich aber auch, dass ich einfach und unverdient ein Leben lebe, dass mit kleinen Tälern und nicht mit dem Marianengraben ausgestattet ist. Auch darin will Gott mich gebrauchen.

Die meisten von uns haben mit ihrem „Päckchen“ zu kämpfen, dass mal schwerer mal leichter ist. Es ist gut, es ist ein Segen, dass wir nicht alle bis in die tiefsten Tiefen stürzen müssen, um Gott zu erfahren. Wer wünscht sich schon einen Schicksalsschlag, um Gott bis auf die Knochen spüren zu können? Es ist eine tröstende Folgeerscheinung, dass die, die das Schlimmste durchleben mussten, im Nachhinein auch die stärksten, tröstenden und berührendsten Worte für ihre Kämpfe, ihre Ermutigung und ihre Demut finden.

Doch in ihren Tiefen waren da unzählige Menschen an ihrer Seite wie du und ich. Menschen, die noch nicht hofften, aus ihrem Tief geborgen zu werden, sondern Angst davor hatten eines Tages hineinzufallen. Sie aber haben die vom Leben gepeinigten Menschen getröstet, getragen, Gehör geschenkt und Geduld, Zeit geopfert und unzählige Gebete gesprochen. Mut gemacht, Millimeter für Millimeter ihr Leben, ihr Hoffen und ihren Glauben mit Gottes Hilfe und Bemächtigung wiederaufgebaut. Sie sind es, durch die Gott dieses Wunder an entzweiten Menschen tun kann. Durch die der Heilige Geist das zerbrochene Gefäß neu zusammensetzt und wieder auffüllt.

Wir wissen nicht, was morgen in unserem Leben ist. Denn „er umgibt seinen Thron mit Wolken, sodass man keinen Blick darauf werfen kann“. Was Gott zulässt und was nicht, liegt nicht in unserem Ermessen. Aber wenn wir Gottes Licht in unser Leben lassen, dann können wir mit seiner Bemächtigung helfen, die Schatten zu lichten, Ängste in Hoffnung zu verwandeln und Kaputtes wiederaufzubauen. Da kann keiner auf sein „Schicksal“ warten. Denn wenn es nicht kommt, haben wir unsere Zeit auf die Angst in uns verschwendet und nicht in die Kraft investiert, die Gott einem Jeden von uns zusagt. Die Kraft der Heilung durch seine Liebe und die Gnade ihrer Bedingungslosigkeit. Statt uns von Ängsten beherrschen zu lassen, dürfen wir diese Ketten des Elends dort, wo wir sie sehen, Minute um Minute einreißen, zerbrechen, durchsägen, dünner schleifen, weg küssen oder geringer beten.

Unser Horizont ist im Bogen über dem Meer ausgebreitet und bildet die Grenze zwischen Licht und Finsternis. Wir werden ein Leben lang zwischen diesen beiden Welten schwanken. Doch wir dürfen unseren Ängsten nicht den Raum lassen, der für Gott vorbehalten ist. Durch seine Macht sind wir fähig zu heilen trotz allen Unheils. Weil noch Hoffnung ist, kann sie durch den Hoffenden auch in Hoffnungslosigkeit neu gedeihen. Gott will nicht Licht sein, weil da Angst ist. Da will jemand Angst streuen, weil zu viel Licht ist. Hoffnung ist das beständige und tragende Element jedes Lebens. Nur Gott kann mich von meinen Schatten befreien und durch mich Licht in die dunklen Wegbegleiter meiner Mitmenschen streuen.

 

WRi



 

Kalender

August 2018
So Mo Di Mi Do Fr Sa
  01 02 03 04
05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31  

in Dresden-Striesen

Adventhaus
Dresden

Haydnstraße 16
01309 Dresden

in Dresden-Löbtau

Gemeindezentrum
Dresden-West

Poststraße 13
01159 Dresden

in der Umgebung

Dippoldiswalde >>
Meißen
Pirna >>
Radeberg >>
Radebeul
Weinböhla