Bericht mit Bildern

15.07.07

Walcker-Orgel im Gemeindezentrum

Gemeinde Dresden-West

In unserem Gottesdienstsaal befindet sich seit 1999 eine zweimanualige Pfeifenorgel, die für Liedbegleitung und Konzert zur Verfügung steht.

 

Gleich nach Eröffnung des Gemeindezentrums stand fest, dass eine kleine Orgel für den gottesdienstlichen Gebrauch angeschafft werden sollte. Weil die individuelle Herstellung aber den erarbeiteten Finanzierungsplan bei weitem gesprengt hätte, fiel die Entscheidung, auf Suche nach einer gebrauchten Orgel zu gehen.

Ein passendes Instument wurde in der Evangelischen Kirche Gaimersheim bei Ingolstadt gefunden – 1982 erbaut von Oscar Walcker aus Ludwigsburg. Es stand zum Verkauf und wurde für unsere Zwecke für gut befunden.

Nach der aufwändigen Demontage in viele hundert Einzelteile, dem Transport und Montage erfolgte die Intonation der Orgel im Januar 1999 durch die Orgelbauwerkstatt Rainer Wolter aus Zusar auf Rügen.

Und mit einem Festgottesdienst am 6. Februar 1999 konnte dieses schöne Instrument endlich seiner neuen Bestimmung übergeben werden.



Hier folgen nun einige technische Daten zur Disposition der Orgel:

1. Manual C-g‘“
Gedeckt 8 Fuß C-g‘“ Eiche gedeckt
Primipal 4 Fuß C-cf Prospekt Zinn, dis‘-g‘“ innen Zinn
Blockflöte 2 Fuß C-g‘“ Zinn konisch offen
Mixtur 3- fach 1 1/3 Fuß C-g‘“ Zinn

2. Manual C-g“‘
Gemshorn 8 Fuß C-H Zinn gedeckt. c‘-g‘“ Zinn konisch offen
Rohrschalmei 8 Fuß C-g‘“ Messing mit aufschlagender Zunge
Rohrflöte 4 Fuß C-g“ Zinn gedeckt mit Röhrchen, gis „-g“‘ Zinn konisch
Prinzipal 2 Fuß C-g‘“ Zinn
Zimbel 2-fach 2/3 1/2 Fuß C-g‘“ Zinn

Pedal C-f

Subbass 16 Fuß C-H Kiefer gedeckt, c‘-F Zinn Transmission aus Gedecktbaß 8 Fuß
Gedecktbass 8 Fuß C-f Zinn gedeckt

Spielhilfen
Manualkoppel, Pedalkoppel
Mechanische Spiel- und Registertraktur
Stimmhöhe bei 18 Grad / 440 Hz
Winddruck 70 mm Wassersäule





(Fotos: AU, LU) 

 

Die Kirche ist mein Aufenthalt ...

... hier wohn ich, ohne es zu wissen. Doch, eh noch der Gesang erschallt, tritt man mich schon mit Füßen. Ich schreye laut, doch red ich nicht, und gleichwohl kann man mich verstehen. Ich lehre manchen seine Pflicht und kann nicht hören und nicht sehen.
Die Menschen gaben mir den Leib, der Wind gab mir das leben. Ich bin nicht Mann, ich bin nicht Weib, doch kann ich beyden mich ergeben.



Betritt man als Besucher einen kirchlichen Raum, wird der Blick meist von drei oder gar vier wirkungsvollen Elementen gefangen genommen: dem Chorraum, der Deckengestaltung, den Fenstern und der Orgel. Setzt man sich dann auf einen der Plätze und schließt die Augen, erwartet man fast automatisch den vielfältigen Klang des Instruments. Ein gottesdienstlicher Raum ohne Orgel? Da scheint etwas zu fehlen.


kurze Geschichte der Orgeln

Die Orgel ist – historisch betrachtet – ein ziemlich altes Instrument. An den Höfen der byzantinischen und griechisch-römischen Welt wurde sie zur Unterhaltung genutzt beim Essen, Tanz und Theater. Reste einer solchen Orgel wurden bei Grabungen in Ungarn gefunden. Eine bronzene Tafel verrät das Jahr 228 und den Spender der so genannten Hydra: Gaius Julius Viatorinus.

In den folgenden Jahrhunderten spielte die Orgel keine bedeutende Rolle. Erst durch eine Schenkung Kaiser Konstantins an den Frankenkönig Pipin im Jahre 757 taucht in Europa wieder ein Instrument nachweislich auf.

Natürlich sahen die Instrumente damals völlig anders aus. Mittels Lederriemen konnten Portative (lat. portare = tragen) getragen und beim Spiel auf die Oberschenkel gestellt werden ähnlich einem Akkordeon. Mit der linken Hand wurde ein Blasebalg betätigt und mit der rechten Hand tastenähnliche Drücker. Die Pfeifen waren in einer einzigen Reihe angebracht. Gern nutzten fahrende Gaukler und Spielleute dieses Instrument.

Eine andere Form waren die Positive (lat. positus = Lage, Standpunkt). Diese Instrumente hatten bereits mehrere Pfeifenreihen und ähnelten Möbelstücken. Sie wurden neben der Unterstützung des kirchlichen Gesanges im Chorraum auch auf Wagen montiert bei kirchlichen Prozessionen genutzt. In der Renaissance schmückten sie auch Paläste und Häuser reicher Bürger. Im 18. Jahrhundert wurden sie dort jedoch meist von Klavier und Cembalo verdrängt.

Schließlich entwickelte sich die große Orgel als Kultinstrument der abendländischen Kirche. Getrieben von der kaum zu zügelnden Kreativität, in einem Instrument alle Klangfarben der Welt und bekannter Instrumente zu vereinen, wurde die Orgel immer größer, umfangreicher, majestätischer. Orgelbauer, Künstler, Organisten und Architekten entwickelten gemeinsam immer neue Ideen. Der Schöpfungsbegriff hielt Einzug, denn jede Orgel war und ist ein einzigartiges, kein zweites Mal geschaffenes Instrument mit einer einzigartigen und unverwechselbaren Charakteristik. Und diese Charakteristik ergibt sich aus der Symbiose von Instrument und Raum.


der äußere Aufbau einer Orgel

Um in die Welt der Orgel ein wenig tiefer einzudringen, sei an dieser Stelle noch etwas Fachlatein gestattet. Die Konzeption einer Orgel wird neben der äußeren Gestaltung – dem Prospekt (lat. prospectus = Anblick) durch die Gesamtheit der Register – der Disposition (lat. disponere = Schlachtaufstellung) erkennbar.

Schauen wir uns zuerst die Orgel von außen an. Im Prospekt befinden sich sichtbar die Hauptregister oder Prinzipale (lat. prinzipatus = Vorrang, Herrschaft). Für die einzelnen Werke bestimmt, soweit vorhanden, die Stellung im Aufbau der Orgel auch deren Namen: Hauptwerk, Oberwerk, Seitenwerk, Unterwerk, Brustwerk, Rückpositiv (befindet sich hinter dem Rücken des Organisten und entspringt dem Gedanken der Gesangsunterstützung), Schwellwerk (dem Organisten ermöglicht es eine kreativ einsetzbare Tongestaltung) und Kronpositiv (das ganz obenauf sitzende Werk).

Gespielt wird die Orgel mittels Tasten auf einem oder mehreren Manualen (lat. manus = Hand) – die Zuordnung zu den Werken ist dabei nicht zwingend logisch. Außerdem verfügt die Orgel nebenher über ein Pedalwerk (lat. pes = Fuß). Damit ist das Prospekt der Orgel komplett. Sie alle und ihre Gestaltung beeinflussen somit den äußeren Eindruck des Instruments. Früher nannte man diesen Anblick deshalb auch das „Orgelgesicht“.


das Innenleben einer Orgel

Wenden wir uns nun dem Inneren der Orgel zu – der Disposition als Gesamtheit der Register. Die Registergröße reicht dabei von 32 Fuß (tiefer Ton) bis hinunter zu 2 Fuß (hoher Ton) langen Pfeifen (1 Fuß etwa 30 cm) und muss in zwei Gruppen unterschieden werden.

Die Labialpfeifen (lat. labium = Lippe) leiten durch eine bestimmte Stellung der Pfeifenlippen den Luftstrom so, dass er die Luftsäule im Inneren der Pfeife zum Schwingen bringt.

Die Lingualpfeifen (lat. lingua = Zunge) erzeugen den Ton durch ein dünnes Metallblättchen, das durch den Luftstrom in Schwingung versetzt wird.

Innerhalb der beiden Gruppen unterscheidet man weiterhin Familien: Flöten, Streicher, Trompeten. Aber damit sind Charakter und Möglichkeiten einer Orgel noch lange nicht beschrieben. Beispielsweise gehören zur Familie der Flöten Gedackte, Rohrflöten, Spitzflöten, Dulzflöten, Blockflöten, Rohrflöten, Hohlflöten, Koppelflöten, Waldflöten und Spillpfeifen.

Die Familie der Streicher sind Register wie Gambe, Viola da gamba, Fugara, Violine, Violoncello und andere. Zur Familie der Trompeten gehören Posaunen, Trompeten, Schalmeien und Fagotte.

Die Klangfarben und Namen der einzelnen Register sollten nicht, wie mitunter vermutet, die benannten Instrumente imitieren. Die Charakteristika der jeweiligen Register erhielten nur der Erkennbarkeit halber durch Klangähnlichkeit die Namen bekannter Instrumente. Auf diese Weise kann man auch verloren gegangene Instrumente und deren Klang nur ungefähr erahnen, so den Klang von Krummhörnern, Zinken, Sordune, Dulziane und Rankette.

Jede Art hat dabei einen eigenen, einzigartigen inneren Formen- und Materialaufbau (Mensur), der erst bei genauerer Betrachtung erkennbar wird. Aus Zinn oder speziellen Zinn-Kupferlegierungen bestehen die augenfälligsten Pfeifen einer Orgel. Aus Holz gebaute Register haben zudem durch ihren warmen und weichen Klang im Inneren der Orgel einen besonderen Wert.

Damit beim Zusammenspiel verschiedener Register (Koppeln) der Klang eines einzelnen homogenen Instrumentes hörbar wird, genügt nicht die einfache Stimmung aller Pfeifen. Die Aufgabe des Intonateurs besteht darin, Lautstärke, Klangbild und Ansprache jeder Pfeife und jedes Registers so zu manipulieren, dass sich bei der Kombination mehrerer Register die einzelnen Klangfarben zu einem völlig neuen Klangbild mischen. Deshalb spricht man dann von der Kunst der Intonation, die die eigentliche Grundlage für eine akustisch wertvolle künstlerische Intuition des Orgelspielers bildet.


die Funktionsweise einer Orgel

Jetzt sind wir am Spieltisch, der Kommandozentale der Orgel, angelangt. Die Impulsübertragung von den Tasten (der Klaviatur) aus geschieht über Abstrakten. Das sind feine Holzleisten, die die Kraft auf das jeweilige Spielventil in der Windlade übertragen. Insofern entsteht die bekannte Verzögerung zwischen Tastendruck und Tonansprache.

Die Anwahl der jeweiligen Register und Zuordnung zum gewünschten Manual geschieht über Griffe links und rechts neben den Manualen. Diese Griffe bezeichnet man als Manubrien.

Außerdem können je nach Bauart der Orgel noch Schwellwerk, Rollschweller oder Registerwalze und Tremulant genannt werden, mit deren Hilfe der Organist den Ton aus seiner ursprünglichen Starrheit erwecken kann durch Veränderung des Luftstromes: Lautstärke, stufenlose Hinzuschaltung weiterer Register oder Gestaltung des Tones in Wellenform.

Die benötigte Luft – den Wind – bezieht die Orgel aus Bälgen, die früher mit Muskelkraft von Helfern bewegt wurden. Mehrere Bälge benötigt eine Orgel, damit der Wind gleichmäßig in die Windlade geführt werden kann. Heute werden diese Bälge inzwischen durch ein elektrisches Spezialgebläse mit der notwendigen Luft versorgt. Damit gehört die Orgel zweifelsfrei zu den – Blasinstrumenten.

Und trotzdem ist sie mehr als das. Sie bildet die emotionale, klangliche Basis des jeweiligen Kirchenraumes und prägt damit maßgeblich auch jeden Gottesdienst.

(Text: LU)