Platzhalter
 

Adventgemeinde in Dresden-Löbtau

Gottesdienst | Samstag
09:30 Uhr bezeug. Gemeinde | Bibelgespräch
10:45 Uhr hörende Gemeinde | Predigt

Church Service | Saturday
09:30 a.m. witnessing church | biblestudy
10:45 a.m. listening church | sermon

Derzeit finden keine Gottesdienste statt.

G E D A N K E N

"Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht!, und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll das Gebirge fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden. Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN, und die ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein im HERRN."       

Jesaja 29, 16-19

Viel gibt es nicht zu erklären zum Spruch des Propheten: Alles, aber auch alles wird auf den Kopf gestellt. Kein Wenn und Aber. Die Ordnung wird neu sortiert. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Was schwarz war, wird weiß. Was weiß galt, heißt nun schwarz. Das Sichere wird instabil, das Schwache bietet Raum. Gewinne verdampfen, Karges erblüht. Alles Wissen wird nutzlos, das Unverständliche offenbart sich. Freude bei Ausgebeuteten, Hoffnung unter den Gefangenen.

Das sei alles erst der Anfang, so höre ich in den Nachrichten die Fachleute. Keiner wisse die Folgen verschiedener Wege zu kalkulieren: medizinisch, logistisch, wirtschaftlich, finanziell, gesellschaftspolitisch. Es scheinen die Maßnahmen wie hilfloses Stemmen gegen etwas Übermächtiges. Doch wohin tatsächlich lenken, ohne Schaden hier oder da akzeptieren müssen. Wie entscheiden. Lässt sich noch etwas entscheiden? War mein persönliches Tun, mein Weg bisher überhaupt die richtige Richtung? Waren meine Wünsche, mein Streben getragen von Verantwortlichkeit anderen gegenüber? Hatte ich das Ganze im Blick, den eigentlichen Sinn? Wie würde Gott urteilen über mein persönliches bisheriges Leben? Meine Nägel mit Köpfen?

"Wie kehrt ihr alles um!"

Es ist nicht neu, dass Menschen die Sache in die Hand nehmen. Und es ist gut, dass wir es tun. Man kann die Hände nicht in den Schoß legen, sagten die Alten. Nimm die Hände aus den Hosentaschen, knurrte mein Lehrmeister. Tun, arbeiten, gestalten, bebauen und bewahren ist des Menschen Sache. So lese ich auf den ersten Seiten der biblischen Schriften. Gott wollte es so. Das Schuften müssen kam kurze Zeit später hinzu: Disteln auf dem Feld, im Schweiß des Angesichts, unter Schmerzen, Schwielen in den Händen. Das hätte anders laufen können. Wirklich. Das finde ich auch.

Der Prophet nun. Ein lauschender Mann. Immer wieder berührt von Impulsen, die nicht herrühren von aktuellen Medien, dem Geschrei auf den Gassen, dem Gemunkel in Kneipen und den stillen Machenschaften derer, die in Schlössern abgeschirmt zusammenhocken. Unabhängig von all dem betrachtet er das Treiben tagein tagaus. Den Blick gelenkt von ganz weit draußen, von oben. So schaut er hindurch. Durchleuchtet das Verborgene. Ent-larvt. Ent-täuscht. Ent-wertet. "Wie kehrt ihr alles um!"

Das Ausrufezeichen am Schluss dieses nadelspitzen, energischen Prophetenspruchs markiert ein kritisches Urteil Gottes. Da ist etwas aus dem Ruder gelaufen. Da wurden Weichen nicht erst gestern völlig falsch gestellt. Da sind Wege und Trassen ungeachtet möglicher Folgen durch Gesundes, Schönes und Lebenswertes geschlagen worden. Nicht so schlimm. Raubbau. Gier. Opfer sind unvermeidbar. Irgendwer muss ja die Drecksarbeit machen. So war es aber nicht gedacht! So darf es nicht weitergehen! Schwarz ist schwarz und Weiß ist weiß. Damit ist Schluss.

Mich beunruhigt der Text. Ich ziehe den Kopf ein. Ein bisschen zumindest. Wie denn anders? Ich sehe ja das Elend an allen Ecken und Enden. Mich betrifft es teilweise selbst. Ja, Glück und Frieden stelle ich mir irgendwie noch anders vor. Aber solange es passt für mich? Erträglich? Bin doch mit Wenigem zufrieden. Brauche wirklich nicht viel. Hauptsache gesund. Darf ich das nicht erwarten dürfen? Wenn die Unsicherheit nicht wäre ...

Der israelische Historiker und namhafte Autor Yuval Noah Harari veröffentlichte 2017 ein bemerkenswertes Buch über die Zukunft der Welt. Der Titel des Werkes markiert das Szenario dessen, wohin die Reise gehen wird. Homo Deus. Der Mensch als Gott. "Doch eine Horizonterweiterung kann sich auch als Bumerang erweisen, wenn wir dadurch verwirrter und tatenloser sind als zuvor ... Die Welt verändert sich schneller als je zuvor, wir werden von unglaublichen Mengen an Daten, Ideen, Versprechungen und Bedrohungen überschwemmt ... Worauf von all dem, was in unserer chaotischen Welt geschieht, sollten wir uns also konzentrieren?" So fragt Yuval auf einer der letzten Seiten des aufschlussreichen und zugleich bedrückenden Buches. Vor drei Jahren.

Der alte Prophetenspruch dagegen lässt nicht locker. Unbeeindruckt von meiner Empörung, ungeachtet meines Aber zeichnet er kurz und knapp weiter. Klare Bilder. Aktuelles. Schuldhaftes drängt in mein Bewusstsein. Alte weiße Männer, so höre ich häufiger. Das trifft. Es gilt mir. Es rügt zu Recht. Das Gute, was ich will, gelingt so selten, das Schlechte, was ich nicht will, passiert so nebenher. Automatisch. Nach bestem Wissen und Gewissen. Vieles auf den Kopf gestellt. Eigensinn. Wesentliches falsch verstanden. Den Schöpfer völlig aus dem Blick verloren. Seine Sicht auf die Dinge missverstanden, ignoriert. Gedankenlos.

Allerdings. HOFFNUNG ist Gottes Ding. Er wird sich der Sache also annehmen. Der Töpfer. Er wird nicht fallen lassen! Trotzdem passt mir das nicht immer. Selten. Alles anders herum. Da muss ich mich drehen, neu sortieren, anders einrichten und ausrichten. Verzichten. Von mir erwartet er die notwendige Flexibiltät. Von mir? Ich bin der Ton. Er mutet mir zu. Stört mich. Nimmt weg, lässt zu. Walkt und knetet. Völlig anderes Denken, neues. Umsichtiges, weitsichtigeres Tun. Wertewechsel. Blickwechsel. Kurswechsel. Gegen Gottes Eingreifen bin ich machtlos. Vielleicht sollte ich IHN doch endlich ranlassen. Freiwillig. Ernst nehmen, was er meint. Nicht, wie es mir gefällt. Vielleicht ist das ja gut so. Vielleicht. Ich werde weiter darüber nachdenken.

27.03.2020 LU

N A C H R I C H T E N

Leitung der Berlin-Mitteldeutsche Vereinigung an die Gemeinden
in Berlin, Land Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

 

Vereinigungszeitschrift  m i t e i n a n d e r  04 | 05 | 06 2020 >>

Die frisch gedruckten Hefte für die Gemeinde Dresden-West liegen derzeit auf dem Büchertisch im Gemeindezentrum zur freien Verfügung bereit.

20.03.2020 Erfahrungen lassen uns optimistisch sein
zum Video >>

19.03.2020 Verbunden sind wir stark
zum Video >>

18.03.2020 Materialhilfen für Gemeinden
zum Video >>

16.03.2020 Erster gottesdienstfreier Sabbat
zum Video >>
__________________________________________________________
 
Ausgangsbeschränkungen für Dresden vom 22.03.2020 >>

L I E D

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Dem Herren musst du trauen, wenn dir´s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht,
was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt;
was du nimmst in die Hände, das treibst du, starker Held,
und bringst zum guten Ende, was deinem Rat gefällt.

Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt´s dir nicht;
dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht;
dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun.

Und ob gleich alle Teufel hier wollten widerstehn,
so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehn;
was er sich vorgenommen und was er haben will,
das muss doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel.

Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.

Paul Gerhard 1653

G E D A N K E N

Und der HERR sprach zu Noah: Geh in die Arche, du und alle aus deinem Haus ... Denn von heute an in sieben Tagen will ich regnen lassen auf Erden vierzig Tage und vierzig Nächte.     1. Mose 7,1.4

Ausgangsbeschränkung, um des Überlebens willen. Immer wieder in der Menschheitsgeschichte mussten sich Einzelne oder Gruppen derlei unbequemer Maßnahmen fügen. Der plötzlich notwendige Rückzug in die Burg, die Flucht in die Berge, zusammengetrieben in Lager, das Ausharren in Schutzräumen und Bunkern. Niemand tut so etwas freiwillig. Jeder Betroffene leidet unter den Umständen, fürchtet Schlimmeres, wüsste gern um baldige Entspannung der mieserablen Lage.

Ich stelle mir die Sache mit Noah vor. Mitten im Alltag, ungeplant, platzt Gottes Befehl in die gewohnten und notwendigen Abläufe des Lebens. Acker- und Viehwirtschaft bedürfen der Zuverlässigkeit, heute wie damals. Was im Moment unerledigt liegen bleibt, führt in absehbarer Zeit zu unliebsamen Konsequenzen. Pünktlich muss gesät werden, regelmäßig brauchen die Tiere ihr Futter. Ansonsten drohen später Hunger und Elend. Diese unverzichtbaren Abläufe haben sich eingespielt, sind erprobt und funktionieren damals wie heute. Sie sind der Garant menschlicher Existenz, so denke ich meist. Dachte es bisher.

"Geh in die Arche, du und alle aus deinem Haus ..."

Noah wird herausgerissen aus seinen gewohnten Tätigkeiten. Nicht nur er, sondern seine Familie mit ihm werden mitten im Alltag gestoppt. Diskussion ausgeschlossen. Das vorhersehbare Szenario kann sich der Mann gut zusammenreimen: Vierzig Tage Regen, selbst das ist für einen Landwirt der Ruin. Das Wasser wird stehen bleiben, das Abtrocknen der Böden wird Zeit brauchen. Die Vegetation muss sich erst langsam wieder erholen, um genügend Nahrung für Mensch und Vieh neu bereitstellen zu können. Das bringt ein Fass zum Überlaufen. Nur: Es ist ein wunderbarer Tag heute. Die Sonne scheint. Nichts deutet auf eine Schlechtwetterfront. Es ist so, wie es immer war um diese Zeit. Dieser göttliche Ruf schlägt offenbar eine bittere Kerbe in das Leben aller und hält alles menschliche Tun unvorhersehbar an.

Jetzt muss der Mann entscheiden. Der vorgeschlagene Rettungsweg hat seine Tücken. Was Noah in diesem Moment erfährt: voraussichtlich länger als einen Monat lang Dauerregen. 150 Tage wird das Hochwasser dauern, so erzählt es der Text eine Seite später. Das weiß Noah nicht. Der Pegel weitere vierzig Tage wieder fallen, sickern. Und noch einmal vierzehn Tage braucht es, den Boden halbwegs zu trocknen. Zwei Wochen des weiteren Ausharrens in einem dunklen, hölzernen Kasten ohne Tageslicht. Eingesperrt Menschen und Tiere. Die Versorgung wird reichen, was wird mit den Hinterlassenschaften. Der fürchterliche Gestank verschiedenster Exkremente. Was tun in den düsteren Kammern während der mühsam dahinstreichenden Zeit langer Monate? Viel zu viele Lebewesen auf engstem Raum. Nun droht Totalverzicht von frischer Luft und Sonnenlicht. Krankheiten drohen, Seuchen. Die psychische Belastung enorm. Und was wird danach? Wie soll die Welt draußen dann aussehen? Wie kann das Leben neu beginnen? Wird der Alltag wieder normal werden? So wie vorher? Anders, als man sich vorstellen mag? Lohnt diese unzumutbare Einschränkung wirklich, sich einsperren zu lassen? Gibt es keine andere Lösung? Noah hat eine schwere, eine weitreichende Wahl zu treffen.

Für mich hört sich diese uralte Geschichte im Moment dramatischer an, als ich sie bisher verstanden habe. Es ist keine lustige Nummer. Sie war mir wohl nur sehr einfach erzählt worden, damals, als ich noch im Sandkasten spielte. Zu einfach, denke ich. Die verschiedensten Bilder drängen inzwischen aus der blassen Erinnerung in mein nervöses Bewusstsein: Bilder von Kriegsschauplätzen, Konzentrationslagern, von Elendsvierteln in Lateinamerika. Bilder von Menschenansammlungen, die sich um einen Container drängen, um etwas von irgendeiner Hilfslieferung ergattern zu können. Bilder von trostlosen Flüchtlingslagern, dreckigen Planen über Palettenkonstruktionen notdürftig zusammengezurrt mitten in Müll- und Schlammtümpeln. Szenen mit Gestrandeten irgendwo an verlassenen Bahngleisen, neben verrosteten Containern und vor frisch und kunstvoll geflochtenen Grenzzäunen - Familien, Väter, Mütter, Kinder ... Menschen, so wie ich.

Und nun zögere ich, dankbar und hoffend in eine vielleicht rettende Arche zu klettern. Ausgangsbeschränkung. Nur das Nötigste tun draußen. Wie lange soll das dauern? Ich scheue, die Einschränkungen zu akzeptieren. Ich bin nicht sicher, was eine Quarantäne mit mir gar machen würde. Die Dunkelheit. Ich bin es nicht gewohnt, habe verlernt. Ich ahne plötzlich, wie wertvoll andere Menschen sind, wie wohltuend entspannte Gemeinschaft. Gedankenversunken blättere ich in meinem Kalender. Was hatte ich dieses Jahr alles geplant. Schönes. Erholsames. Das nun alles opfern müssen? Einschränkungen. Beschränkungen. Für Wochen, vielleicht ungewisse Zeit? Ich muss eine schwere, weitreichende Entscheidung treffen.

"Und die Wasser nahmen überhand und wuchsen sehr auf Erden, und die Arche fuhr auf den Wassern. Und die Wasser nahmen überhand und wuchsen so sehr auf Erden, dass alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden."

So heißt es einige Verse weiter. Der betagte Text weitet ungerührt den Blick weg von der unbequemen Lage der Eingeschlossenen auf die wirklich großen Zusammenhänge eines Ganzen. Das Weltgeschehen. Aller unbarmherziger Tatendrang, die lauten, großspurigen Systeme und ihre Maßlosigkeiten versinken in Gericht. Es ist überfällig. Der Pegel steigt. Kein Stopp. Die Situation derer allerdings, die warten müssen, denen Verzicht verordnet ist, spielt in dem vorliegenden Lagebericht eine untergeordnete Rolle. Sie sind auf sich gestellt. Hinter Schloss und Riegel, Ruhe bewahren. Geduldiger werden. Dankbar sein in allen Dingen. Stille. Daraus kann ich nun wirklich etwas lernen, das ist wichtig. So meine ich. Da könnte ich weiser werden. Ich kann keinen Regenbogen in die Wolken zeichnen. Das wird ein Größerer tun, so lese ich am Schluss der uralten Erzählung, dann erst, wenn ER es für angemessen hält ...

Ich hoffe und bete, dass in den vielen Elends- und Flüchtlingslagern dieser Welt das Virus nicht greifen kann, die Menschen trotz widrigster Umstände bewahrt bleiben. Sie hätten eine weitere Belastung wirklich nicht verdient.

25.03.2020 LU

L I E D

Wenn ich vor deinem Kreuze stehe
und mich in deinem Bilde sehe,
erkenne ich, dass du mich liebst,
denn du, Herr, bist zu mir gekommen,
hast meine Schuld auf dich genommen,
dass du sie mir am Kreuz vergibst.

Wenn ich vor deinem Kreuze stehe
und mich in deinem Bilde sehe,
lässt du mich auch die andren sehn.
Du hast ein Beispiel uns gegeben,
dass wir, wie du, für andre leben
und uns als Liebende verstehen.


Johannes Jourdan 1976

G E D A N K E N

Der Herr spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande,
dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke.


3. Mose 26,6

Das brauche ich. Irgendwoher muss mir jemand Verlässliches zusichern. Vage Informationen taugen nicht. Ich trage Last, halte aus. Aber ein Ende muss mir schon konkret benannt werden. 

Nun bietet der Text aus alter Zeit wenig davon, was ich für notwendig halte. Ja, ich will wieder ruhig schlafen können. Nicht irgendwann. Mich nervt die Situation zunehmend. Der Stillstand. Mein eingeübter Tageslauf funktioniert nicht mehr. Eingesperrt fühle ich mich. Ich will wieder die mir vertraute Normalität. Ja, ich will Frieden.

Vorsichtig lese ich zurück, taste mich zum Beginn des göttlichen Spruchs. Der beginnt mit einer Ansage. "Ihr sollt euch keine Götzen machen und euch weder Bild noch Steinmal aufrichten, auch keinen Stein mit Bildwerk setzen in eurem Land, um davor anzubeten; denn ich bin der Herr."

Das mag ich gar nicht. Kritik. Ich weiß, was ich will, habe meine Gründe. Notwendigkeiten. Es macht alles Sinn, was ich tue. Ich habe vorgesorgt, meine Existenz recht ordentlich eingerichtet. Nichts kommt von nichts. Soll das verkehrt sein? Darf ich mich nicht darüber freuen, ein bisschen stolz sein? Ist all das, was mein Leben lebenswert macht, nicht persönliches Gottesgeschenk?

Die Kritik, die mir der alte Text zumutet, interpretiert mein Tun deutlich anders. Ja, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin: er trifft den Kern, nicht selten. Es sind Götter, mit denen ich mich ganz gut eingerichtet habe. Es sind die Sicherheiten, die Bequemlichkeiten, die mir unverzichtbar scheinen. Die mich hoffen lassen auf eine gute Zukunft, ein gesichertes Leben. Frieden. Aber ich muss zugeben, es sind Götter. Leblose Götter meist, mit denen ich mein Leben nett eingerichtet habe.

Ich bin heute in Anspannung. Ich wähne mich zwischen Erfahrung und wachsender Besorgnis. Was, wenn die aktuelle Entwicklung tatsächlich ernster verläuft als vermutet. Was, wenn ich nichts mehr, aber auch gar nichts mehr tun kann. Meine Mittel, handeln zu können, werden knapp. Die falschen Götter taugen nichts. Und nun greifen andere Wesen nach mir, Sorgen und Ängste. Es sind farblose, finstere, tote Gesellen.

Gott hält seine Zusage dagegen, Frieden - verbunden mit seiner Forderung, meine eigenen Götter loszulassen. Beides steht in Widerspruch. Gelegenheit und Zeit ist jetzt wie selten, mich neu zu orientieren, mein eigenes Lebenskonzept, mein System neu zu justieren. Ich muss ausmisten, darf nach vorn schauen - über meine innere Unruhe hinweg. Am Ende des Tunnels bleibt garantiert das Licht an ...

23.03.2020 LU

L I E D

Wir treiben, Herr, im Strom der Zeit.
Gib unsrer Wegfahrt dein Geleit.
Zeig Weg und Ziel und geh du mit
all Tag und Stund und Schritt für Schritt.

Wir können ohne dich nichts tun,
nichts wirken, nicht im Frieden ruhn,
Herr, nicht bestehn der Erde Not,
das Leben nicht und nicht den Tod.


Arno Pötzsch 1962

G E D A N K E N

Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn
und züchtige mich nicht in deinem Grimm!
Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach:

Heile mich, Herr,
denn meine Gebeine sind erschrocken
und meine Seele ist sehr erschrocken.

Ach Herr, wie lange!  
             
Psalm 6

Daran muss ich mitunter erinnert werden: dass mein Glaube an einen über allem wachenden und alles in seiner Hand bewahrenden Gott nicht selten verfliegt. Meist wird mir das im Tagwerk nicht bewusst, manchmal ist es mir sogar recht. Ich bin der, der sein Leben gestaltet, der es vielleicht fromm und sicher ordentlich führt. Ich bin einer von denen, die die Welt verstehen. Ich bin einer, der die Zusammenhänge durchschaut. Meist meine ich sogar zu wissen, wohin sich dieses und jenes Tun und Treiben entwickeln wird. Ich weiß schon, was gut und was böse ist.

Diese meine "Weisheit" schwächelt im Moment. Ich ahne, dass das Leben flüchtiger sein kann als geahnt. Ich spüre, wie auch mich Unsicherheit beschleicht angesichts der gegenwärtigen Wirren. Was passiert derzeit wirklich? Was ist wahr an all den beängstigenden Geschichten, die uns medial ins Wohnzimmer geschwemmt werden? Niemand weiß es. Meine Sicherheit schwankt. Ein umtriebiger Feind droht. Ich verstehe seine Muster nicht. Er bleibt unsichtbar. Meine gut trainierte Gelassenheit versucht, die leise Sorge in mir elegant zu überspielen. Warum eigentlich?

Der alte Liedtext wird lebendig. Ich kann ihn mitsingen, spüre die Nähe zu Menschen, die lange vor unserer Zeit gelebt haben. Und diese Menschen wurden mitunter ebenso wie ich heute aus dem Trott ihres Lebens gerissen. Schnell verfalle ich ebenso in Panik, suche verzweifelt nach Antworten und Auswegen. Es muss alles wieder so werden wie bisher. Stillstand, ein Horrorszenario. Mein Hirn kann die Bilder nicht fassen. Es müssen die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Oder die Kirche muss im Dorf bleiben. Doch wenn die Wolken bedrohlich tief hängen, heute, morgen, auf ungewisse Zeit? Wie lange noch?

Vielleicht ist es heilsam zu spüren, dass ich nicht wirklich der Lenker, Gestalter und Bewahrer meines eigenen Lebens bin. Ich bin abhängig. Mein Leben bleibt flüchtig. Vielleicht ist es notwendig, in eine Ruhe gezwungen zu sein. Vielleicht muss ich zur Kenntnis nehmen, dass es noch anderes gibt auf dieser Erde. Vielleicht kann sich tatsächlich neues Denken in meinem Kopf einnisten. Ich ahne bereits Leere, begreife meine eigene Hilflosigkeit, das Ausgeliefertsein und meine Angst. Tief in mir. Sie drängt an die Oberfläche. Vielleicht macht Fasten eine Zeit lang Sinn.

Vielleicht verstehe ich aber auch neu, dass mein Hiersein auf Erden Gnade ist. Der Platz, der mir bereitet wurde, ist Geschenk eines Schöpfers. Die Möglichkeiten bedeuten Freiheit, Verantwortung. Der Raum, in dem ich in diesem Teil der Welt Wohnrecht habe, ist purer Luxus. Und ich darf ihn niemals für mich allein sichern. Das steht mir nicht zu. Besitzanspruch bleibt letztlich ungültig. Vielleicht werde ich dankbarer. Vielleicht werde ich einfühlsamer, nachsichtiger. Endlich, endlich weitherziger ...

21.03.2020 LU

E N T S C H E I D U N G

13.03.2020



Als vorbeugende Maßnahme wegen des Corona-Sars-CoV-2-Risikos
finden bis auf weiteres KEINE größeren Veranstaltungen statt.
Das betrifft auch alle Gottesdienste.

Wir bitten um Verständnis für diese Entscheidung.
Die Gemeindeleitung



 

Kalender

März 2020
So Mo Di Mi Do Fr Sa
01 02 03 04 05 06 07
08 09 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27
29 30 31  

in Dresden-Striesen

Adventhaus
Dresden

Haydnstraße 16
01309 Dresden

in Dresden-Löbtau

Gemeindezentrum
Dresden-West

Poststraße 13
01159 Dresden

in der Umgebung

Dippoldiswalde >>
Meißen
Pirna >>
Radeberg >>
Radebeul
Weinböhla