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19.08.09

Glasgestaltung im Gemeindezentrum | Teil 3

Gemeinde Dresden-West

Und wieder dürfen wir in die Glaswerkstatt kommen, um zu sehen, wie die Arbeit voranschreitet. Denn nun sind gestalterische Feinheiten geplant, die in den Details noch deutlichere Tiefe bewirken.


Dieses Mal liegt das oberste Modul des Fensters auf dem Montagetisch. Mörser mit tiefgrauer Farbe, dem sogenannten Schwarzlot, stehen bereit. Camillo Schulz gestaltet mit verschiedenen Pinseln Schattenbereiche und Schattenlinien. So wird der räumliche Eindruck der einzelnen farbigen Gestaltungselemente noch verstärkt.



Die Technologie der Glasbemalung hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. Bleioxidhaltiges Glas, zu feinstem Pulver gemahlen, wird mit einem weiteren Metalloxid, zum Beispiel Eisen-, Kupfer-, Kobald- oder Manganoxid, unter Verwendung von Flussmitteln fein verrieben. Die Wahl der Metalloxide und  Zusammensetzung bestimmen dabei die Reaktion im Brennvorgang und so den Farbton auf dem Glas.

Die genauen Rezepturen bleiben natürlich geheim. Nur soviel darf verraten werden – Gummiarabikum wird dabei benötigt, und stinknormaler Haushaltsessig kommt auch zum Einsatz. Man kann es riechen.

Auf diese Weise entsteht im Mörser eine farbige, sämige Lösung. Sie wird auf das Glas aufgebracht und erhält mit verschiedenen Pinseln und anderen kleinen Werkzeugen während der Trockenzeit die gewünschte Flussstruktur.



Bei unserem Projekt arbeitet der Glaskünstler nun mit einer tiefdunklen Farbe, dem Schwarzlot. Es gelingt ihm, mit dieser Lösung gleichermaßen gestochen scharfe Linien zu ziehen wie sanfte Übergänge oder wolkige Strukturen zu gestalten. Nach dem Einbrennen dieser Farbe wird das Kunstwerk noch lebendiger wirken als bisher.





Während dieser Arbeiten bestehen wohl die größten künstlerischen Freiheiten im gesamten Herstellungsprozess. Charakter, die Gewichtung innerhalb des Projektes und die Gesamtstimmung lassen sich sehr präzise gestalten. Interpretation wird möglich, Kontrastverschiebung, Dynamik. Das Glas erhält zur Grundaussage des Motives eine individuelle Stimme, Sprache, Rhetorik – so kann man es vergleichen. „Ich bin die Auferstehung und das Leben" lautet das Thema des Motives.



Für den nächsten Arbeitsschritt müssen wir uns noch einmal gedulden. Vorerst werden alle Module fertig gestaltet und anschließend erneut erhitzt, um das Lot dauerhaft in das Glas einzuschließen. Das wird einige Tage in Anspruch nehmen. Danach wird ein weiteres Material den Gestaltungsprozess maßgeblich beeinflussen und dadurch die optische Wirkung bestimmen – Sand, feiner heller Sand.







(Fotos und Text: LU)