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05.08.09

Glasgestaltung im Gemeindezentrum | Teil 1

Gemeinde Dresden-West

Im Zusammenhang mit der Renovierung des Gottesdienstsaales und der Installation des neuen Kreuzes war auch eine künstlerische Glasgestaltung im Frontbereich geplant. Nun konnte die Arbeit auch dazu beginnen.


Solch ein großes Glasobjekt kann man natürlich nicht in einem Supermarkt erwerben, glücklicherweise. Ideen von Künstlern sind notwendig, erste Skizzen, Entwürfe, umsetzbare Gestaltungsvorschläge.
Und dann muss das Gesamtkonzept mit den gewählten Materialien – in diesem Fall ist es der Werkstoff Glas – von kundiger Hand fachgerecht und mit viel Geschick und Erfahrung in den notwendigen Fertigungsschritten umgesetzt werden.

Für diese Aufgaben konnte die Glaswerkstatt KÖRNER im Plauenschen Grund Dresden gewonnen werden. Mit viel Einfühlungsvermögen die Gestaltungsentscheidung begleitet hat nun der Prozess der Umsetzung begonnen. Und wir möchten bis zur Fertigstellung einen Einblick in das Geschehen geben.











Nachdem wir nun die Werkstatt betreten haben, dürfen wir dem Kunsthandwerker Camillo Schulz über die Schulter schauen. Seine Aufgabe besteht darin, den angefertigten zeichnerischen Entwurf zuerst auf die Originalgröße zu bringen und alle notwendigen Mengenberechnungen für das benötigte Material zu erstellen. Nach der sogar für Fachleute nicht einfachen Aufgabe, taugliche und in ihrer Farbigkeit, Struktur und den materiellen Eigenschaften passende Glassorten zu ordern – das gewählte Glas war in Deutschland nicht erhältlich – müssen nun alle Details des Entwurfes aus dem Material per Hand geschnitten werden. So entsteht ein übergroßes detailreiches und gefährlich scharfkantiges Puzzle.





Wer nun denkt, dass nur noch etwas Klebstoff notwendig sei, der irrt gewaltig. Dieses filigrane und bruchempfindliche Gebilde soll ja viele Jahre halten und die Schnittkanten dürfen nicht mehr zu sehen sein. Was häufig auch bei Kirchenfenstern deshalb gemacht wird, ist das Einbinden der einzelnen Segmente durch schmale metallische Verbindungen, Bleiverglasung genannt.
In unserem Fall aber soll das Kunstwerk nicht durch silberfarbige Stege zusammengehalten werden, sondern ein spezielles Schmelzverfahren wird die einzelnen Glasfragmente miteinander und mit zusätzlich frei aufgebrachtem farbigen Glaspulver zu einem Ganzen verschmelzen – in der Fachsprache  heißt diese Technologie FUSING.



Bei dieser Arbeit ist viel Erfahrung des Kunsthandwerkers und jede Menge Fachwissen notwendig: Würde das Glas zu kurz oder zu gering erhitzt, erhielten die Verbindungen nicht den gewünschten Fluss und blieben instabil. Zu schnelles Erhitzen könnte zu Spannungen im Material führen, die sogar Verwerfungen zur Folge hätten oder das Ganze  noch im Prozess zerstören könnten. Dauerte der Schmelzvorgang zu lange, würden Details und auch die verschiedenen Oberflächenstrukturen der einzelnen Glassorten sichtbar verloren gehen. In jedem Falle stünde das Gesamtwerk in Gefahr, irreparabel beschädigt zu werden und wäre damit nicht mehr zu retten.

Doch bis es soweit ist, dass der Brennofen angeheizt werden kann, müssen wir uns noch ein wenig gedulden. Denn vorerst wird das fast vier Meter hohe Puzzle Stück für Stück auf Glas übertragen, geschnitten und zu drei größeren Einzelmodulen zusammengesetzt.



(Fotos: JP Text: LU)