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26.08.09

Glasgestaltung im Gemeindezentrum | Teil 4

Gemeinde Dresden-West

Einige Wochen sind inzwischen ins Land gegangen. Das Projekt ist in dieser Zeit in aller Stille vorangeschritten. Nun können wir dabei sein, wenn die letzten gestalterischen Details fertiggestellt werden.


Damit sich die ganze Gestaltung noch etwas besser in die Architektur des Gemeindezentrums fügt, braucht die große Glasfläche noch eine eigene, stilvolle Patina. Sie wird erreicht mit einer rückwärtigen, partiellen Satinierung, die durch Sandstrahlen erreicht wird.
Weil das Sandstrahlen aber eine Flächenbehandlung ist, müssen zuvor alle Bereiche, die davon unberührt und damit klar und leuchtend bleiben sollen, Stück für Stück abgeklebt werden. Das wollen wir uns nun genauer anschauen.





Diese Aufgabe erfordert mehr Geduld als Fingerfertigkeit, birgt aber die Schwierigkeit, alle Details verkehrt herum denken zu müssen und eine sinnvolle Planung für alle aneinandergrenzenden Flächen im Kopf zu behalten. Die Gefahr ist nicht zu unterschätzen, dass man positiv und negativ während der Arbeit verwechselt und damit das Kunstwerk gefährdet.

Alle Bereiche, die nun matt abgeklebt sind, werden nach dem Sandstrahlen klar sein. Und alle Bereiche, die jetzt fast durchsichtig erscheinen, werden eine seidige matte Haptik aufweisen. Eine letzte genaue Kontrolle aller verklebten Flächen, und das erste Teilstück wird zur Sandstrahlanlage gebracht.



Das Sandstrahlen wird in der Industrie zur Reinigung oder Veredelung von Oberflächen in den verschiedensten Bereichen eingesetzt. In einer speziellen Kabine wird dabei feinster Quarzsand, mit in unserem Fall dreieinhalb bis vier Bar Druck, auf den Werkstoff „geschossen". Dieser künstlich erzeugte Sandsturm reist dabei feinste Partikel aus der Materialoberfläche und bewirkt damit bei Glas die bekannte „Erblindung".

Camillo Schulz muss bei dieser Arbeit auf zwei Dinge besonders achten: die satinierte Fläche darf später nicht wolkig erscheinen, sondern muss einen gleichmäßigen Blindwert haben. Und die aufgebrachten Schutzklebeflächen dürfen nicht vom Sand „zerrissen" werden. Auch hier also wieder viel Erfahrung und gutes Augenmaß trotz der staubigen Sichtscheibe des Aggregates.



Zwischendurch dürfen wir nun kurz in die geöffnete Kammer schauen und sehen deutlich den Unterschied von unbehandelter und bereits gestrahlter Glasfläche. Der Effekt, dass die satinierte Fläche durch die veränderte Lichtbrechung das Glas scheinbar weißer erscheinen lässt, wird in der Frontgestaltung des Saales im Gemeindezentrum dafür sorgen, dass sich diese Fläche homogener in die Wand fügt.



Zuletzt müssen natürlich die abgeklebten Flächen wieder freigelegt werden, damit einzelne Details zu ihrer Leuchtkraft zurückfinden – Blätter, Lichtbänder, Strahlen, ... Damit sind dann die wichtigsten Arbeiten am Glasfenster abgeschlossen. Wartet nur noch der filigrane Einbau auf seinen Termin.







Erst beim Einbau in die Wand werden dann die jetzigen größeren Einzelteile mit einem speziellen farblosen Hochleistungsglaskleber zusammengefügt und nahtlos in den Wanddurchbruch eingepasst. Vielleicht könnte man dieses Zusammenfügen die „Hochzeit" nennen. Wir dürfen gespannt sein.



(Text und Fotos: LU)