Bericht mit Bildern

Samstag | 13.09.08

2. Festgottesdienst 10|100 begegnungsweise

Gemeinde Dresden-West

Dieser Gottesdienst im Jubiläumsjahr der Gemeinde lebte in besonderer Weise durch das schlichte Programm: ein interessantes Bibelgespräch und eine warmherzige Predigt.


Eröffnet wurde dieser besondere Gottesdienst am Samstagmorgen durch ein Violinen-Solo von Laura Helm mit Klavierbegleitung von Tatjana Rostowski.
Nach gemeinsamen Liedern und der Bezeugenden Gemeinde beschäftigten uns im Bibelgespräch Fragen nach dem Wert von Lebensprinzipien, Standpunkten, von Geradlinigkeit im Glauben. Und uns interessierte die meist fließende Grenze hin zum faulen Kompromiss, zum Kalkulieren um des eigenen Vorteils willen und das Mäntelchen-nach-dem-Wind-drehen.




Material und Beispiel zur Diskussion bot uns das alttestamentliche Buch Daniel. Diesem Mann, als Kriegsgefangener in eine fremde Kultur verschleppt, bot sich aufgrund seiner jüdisch-aristokratischen Herkunft eine beispiellose Karriere bis in höchste Staatsämter des babylonischen und später persischen Reiches.
Einerseits die eigene Herkunft, die eigenen Lebenshaltungen in einer durchaus verlockenden Scheinwelt zu bewahren und andererseits sich nicht zu verbiegen, unlauteren Kompromissen zum Opfer zu fallen – diese Spannung hat Daniel damals erstaunlich gut gemeistert – und das nicht selten in Situationen, die lebensbedrohlich waren. Diesem Geheimnis, wie er und seine Freunde diese Balance erreichten, waren wir in diesem ersten Teil des Gottesdienstes auf der Spur.

Unsere Gäste waren dieses Mal aus dem Süden Deutschlands angereist – Reinhard Kopp und seine Frau Marianne. In den achziger Jahren wohnten und arbeiteten sie als Predigerfamilie hier in Dresden, heute leben sie in Baden-Württemberg.

Zu Beginn der Predigt sang der Chor unserer Gemeinde den bekannten Choral von Johann Sebastian Bach: „Wohl mir, dass ich Jesus habe ...“ unter Leitung von Robert Reich und mit Marion Scheel an der Orgel. Camilla Jende spielte dazu den schwierigen und zugleich wunderschönen Solo-Part mit Oboe.

Danach wurden die Kinder auf die erste Reihe gebeten. Etwas zögernd kam eines nach dem anderen. Fünfzehn Kinder hörten nun etwas von dem Dienst des Deutschen Roten Kreuzes, das damit vor 60 Jahren während der letzten Tage des zweiten Weltkrieges einen beispiellosen Suchdienst organisiert hatte. Und – so das für die Kinder aufbereitete Fazit von Marianne Kopp – Jesus hat ebenso einen Suchdienst, aber einen globalen und sehr persönlich orientierten. Er begibt sich immer wieder auf die Suche nach uns Menschen. Ihn lässt unser Schicksal, unser Ergehen nicht unberührt. Er geht jedem einzelnen Menschen immer wieder nach, egal wo er ist.

Die Predigt fügte sich fast nahtlos an die Thematik des Bibelgesprächs und der Kindergeschichte. Eigentlich, so Reinhard Kopp, sei ja jeder ersetzbar. Der Wert jedes einzelnen Menschen stehe zumindest auch in der heutigen Gesellschaft immer wieder zur Disposition.



Der Bibeltext aus Lukas 7 war die Grundlage für seine Gedanken zum Thema. Da wird berichtet von einem römischen Centurio, der seinen Dienst zwischen den Fronten der römischen Besatzungsmacht und dem damaligen jüdischen Volk versah. Nein, er war kein Kleingeist, der schamlos seine Macht ausnutzte. Er engagierte sich für die Menschen, auch für jüdische, hatte sich einen guten Ruf bei den Bewohnern der Stadt erworben.
Nun wird aber erzählt, dass einer seiner Angestellten schwer erkrankte. Und auch das lässt diesen hochrangigen Militär nicht kalt. Er hofft darauf, dass Jesus seinen Knecht, wie er genannt wird, heilen kann. Er wendet sich in dieser Sache nicht an römische Ärzte. Er bittet die Ältesten der jüdischen Gemeinde, den Wanderprediger zu rufen, dessen Botschaft und sein Tun ihn immer wieder fasziniert. Er vertraut dem Mann, bei dem er sicher glaubt, dass ihm kein menschliches Schicksal egal ist.

Wer ist es wert, dass ihm geholfen wird? Wer hält sich selbst für wert, Hilfe zu leisten? Jesus hat einen anderen Denkansatz als wir heute. Menschen erwarten Hilfe, aber werden zunehmend enttäuscht, getäuscht. Und so sind sie immer weniger bereit, wirklich für andere Menschen zu investieren. Das sei es nicht wert.

Jesus setzt dagegen. Er hält jeden Menschen für wert. Und so kann sogar der Hauptmann einer unliebsamen Besatzungsmacht erleben, dass sein Knecht wieder gesund wird.
Das ist Hoffnung für uns und die Menschen unserer Zeit. Wir sind wertvoll. Deshalb können wir auch jeden einzelnen Menschen neben uns als wertvoll erachten.

Dieser Festgottesdienst motivierte. Er war ein angenehmer Schlusspunkt hinter die vergangene Woche und ein guter Auftakt für die Stunden dieses Tages. Ein herzliches Dankeschön an Marianne und Reinhard Kopp, an den Chor und die Instrumentalisten.

(Text | Fotos: LU)