Bericht mit Bildern

Samstag | 23.02.13

Seminar für christliche Erziehung

Gemeinde Dresden-West

Prof. Dr. Th. Steiniger, Psychotherapeut, zeigte in diesem Seminar Chancen, Grenzen und mögliche Gefahrenqellen christlicher Erziehung in Geschichte und Gegenwart. Das Thema war weiter gefasst als vermutet, lohnenswert.


Das vielleicht schneereichste Wochenende in diesem Winter dürfte es werden. Prof. Dr. Thomas Steininger, Psychoanalytiker, Psychotherapeut, Philosoph und Theologe, war aus Darmstadt angereist, hatte sich in seiner Predigt am Vormittag den neutestamentlichen Texten der Evangelien über die Segnung der Kinder gewidmet.

Babys waren es, die deren Mütter zu Jesus gebracht hatten „damit er sie segnete, berührte, ihnen die Hände auflegte". Was bewog diese Mütter damals, dies zu tun? Was passiert in derlei Zuwendungen, Berührungen, Blickkontakten?

Der Predigt spürte man die Kenntnisse und profunde Praxiserfahrung eines langjährig tätigen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten an. Kinder als Geschenk, als Herausforderung, als Gegenüber und eigenständige Persönlichkeit in ihrer Einzigartigkeit wahrnehmen, segnend und betend begleiten – das war Zielaussage der Predigtentfaltung. Darin liegt die Chance, ihnen den Weg in ein erfülltes und befähigtes Leben zu eröffnen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen – draußen schneite und schneite es – vertieften wir uns in die eigentliche Thematik dieses Tages.



Der Vortrag fesselte von Beginn an. Viele fachlich fundierte Verknüpfungen, detailreiche und anschauliche Illustrationen nahmen uns intensiv hinein in die herausfordernde, schwierige und zugleich hoffnungsvolle Aufgabenstellung, Kinder und Jugendliche zu begleiten – als Eltern, Großeltern und Gemeinde gleichermaßen.



Dr. Thomas Steininger gelang in seiner ruhigen Art, mit dosiertem Humor und vor allem fachlicher Kompetenz die Zuhörer in einen intensiven Dialog zu binden. Schnell wurde klar, dass Erziehung nicht beschränkt auf hochmotivierte, mitunter unsichere, gestresste, vielleicht auch überforderte Eltern gesehen werden kann und darf, sondern dass andere Faktoren gleichermaßen, zunehmend Einfluss ausüben.

Schule, Großeltern, gesellschaftliche Konventionen und Entwicklungen, Freunde, Verwandte, tief verwurzelte familiäre Strukturen und Erfahrungen, wirtschaftliche und mentale Ausstattungen, der Markt unterschiedlichster Lebenskonzepte, vorgegebene Rahmenbedingungen, Schicksalsschläge, soziale Bindungen und deren Forderungen, nicht zuletzt die körperliche und geistige Entwicklung von Heranwachsenen, ihr notwendigerweise zu vollziehender Abnabelungsprozess stellen Eltern und ihre Kinder vor enorme Herausforderungen. Nicht wenige scheitern.



Trotz oder gerade wegen der in ungewöhnlich offener und mitunter scheinbar schonungsloser Weise dargestellten Sachverhalte entwickelte sich während der zweistündigen Präsentation keine Fruststimmung. Mutmachende Hinweise und aufklärende, befreiende Erläuterungen führten immer wieder zu einer konstruktiven Auseinandersetzung mit der Verantwortung, die sich mit Erziehungsaufgaben verbindet.

„Wer Kinder will, entscheidet sich für einen schmerzbehafteten Weg.", „Niemand besitzt einen anderen Menschen, auch nicht die eigenen Kinder.", „Wir tragen nicht die letzte Verantwortung. Wir dürfen sie in Gottes Händen wissen." „Kinder müssen sich von ihren Eltern lösen, um erwachsen werden zu können." „Großeltern können eine Familie im Hintergrund wunderbar unterstützen. Sie dürfen die Eltern aber nicht entmündigen".

„Wir dürfen Fehler machen in der Erziehung." „Gemeinde kann ein Netzwerk sein, in dem Heranwachsende wichtige Kontakte zu Erwachsenen finden, die sie auf ihrer Suche anstelle der eigenen Eltern begleiten." „Es lohnt sich, unsere Kinder uneingeschränkt zu lieben – egal wie sie sich entscheiden, was sie tun, wie sie sich entwickeln" ...



Der Nachmittag bot Raum, Fragen zu stellen, zu diskutieren, weiter zu denken. Mancher in der Runde fasste Mut und beschrieb offen eigene Erfahrungen, Sorgen, Belastungsgrenzen. Dr. Thomas Steininger bot Anregungen, persönliches Gespräch unter vier Augen, verwies auf Chancen und Möglichkeiten. Wir danken ihm für sein Kommen, für Impulse und Anregungen, für diesen motivierenden Tag.

Draußen waren inzwischen die Gehwege tief verschneit – gesäumt von zusammengeschobenen Schneehaufen und unter dicken, weichweißen Hauben verborgenen Autos.


(Text | Fotos: LU)