Bericht mit Bildern

Samstag | 28.07.12

Ein Lobpreisgottesdienst

„Lobe den Herrn, meine Seele!“ Diesen Titel verrät das Blatt Papier, auf dem ich das Programm für einen besonderen Gottesdienst vorab lesen kann. „Ein Lobpreisgottesdienst“.


Schwarze, mit Elektronik vollgestopfte Kisten und flache Geräte, ein Digitalpiano, drei Gitarren, Mikrofone und jede Menge Kabel, ein Cajon als dezent wirkendes Schlagzeug fesseln heute meine Aufmerksamkeit und wecken gespanntes Interesse. Junge Leute werden heute diesen Gottesdienst gestalten, werden die Gewohnheit unserer Gemeinde stören. Es wird mal Zeit, denke ich. Viel zu selten.

Andrea und Sophie, Michael, Marian und Samuel, Martin und Oliver suchen sich jeder ein wenig Platz in dem scheinbaren Durcheinander der Technik. Erste Töne vertreiben das letzte Tuscheln im Saal. Sanft fließen die Akkorde und werden in diesem Gottesdienst den Gemeindegesang begleiten. Die beiden Sängerinnen bringen schon während des Präludiums Saiten in mir zum Klingen.

Miriam begrüßt die Gottesdienstgemeinde mit einem Psalmwort. „Herr, in deinem Namen treffen wir uns hier“ – das erste gemeinsame Lied. Der Gesang der Gemeinde bringt Fülle in die Musik. „Herr, ich suche deine Nähe“. Die Hitze an diesem Vormittag wird nicht verhindern, dass wir als Gemeinde bei diesem gesungenen Bekenntnis stehen. „Herr, ich komme zu dir“. Zwischen den Liedern Worte zum Lob Gottes: Marian zitiert verschiedene Psalmtexte, dazu einige eigene Gedanken, passende Fotos oben an der Bildwand. Danach stille Zeit, Gebet.

 

Nun sind wir eingeladen als Bezeugende Gemeinde. Das ist für uns gewohntes Terrain. Sorgen, Nöte, Freude, Dank und Bitten hören wir. Gemeinde nimmt Anteil an persönlichen Geschicken, an den Schicksalen Einzelner. Wir freuen uns mit, manches bereitet Kummer. Die jungen Leute laden uns ein, kleine Gebetsgruppen zu bilden für Dank und Fürbitte. Es wird still im Saal, dann – erstes zaghaftes Sprechen, leise, hier und da, wie sanftes Gemurmel immer mehr, sich vielfach überlagernd. Es ähnelt ungewohnter Musik, die ab- und anschwillt. Nur die ganz nah gesprochenen Worte verstehe ich gerade noch. – Amen.

 

Keiner ist wie du“. Dieses Loblied zur Ehre und Anbetung Gottes reißt wieder mit. Der Klang der Musik, des Gesangs tut mir gut. Einige fröhlich akzentuierte Töne von Leadgitarre oder dem Piano zwischendurch. Mitunter höre ich bewusst die tiefen Klänge der Bassgitarre heraus. „Licht dieser Welt“.


„Kurzandacht" steht nun auf meinem Programmzettel. „Gott ist groß, wir können alles von ihm erwarten. Uns ihm ganz zuwenden. Verheißung und Wunder für uns.“ Caroline tastet sich an das Thema heran. „Wer ist Gott? Vor wem stehen wir?“ Bibeltexte hat sie herausgesucht, um Antworten zu finden. Die Fragen wiegen schwer, Antworten sind nicht leicht zu beschreiben. In aller Unsicherheit, in Bedrängnis und Krankheit darf ich Mensch mich an Gott klammern, an die Zusage seiner Liebe, an die Kraft seiner Weisheit. „Was gibt es besseres als ein Leben mit Gott, in dem wir seine Verheißungen und Wunder in Anspruch nehmen können?



Das, was ich höre, ist Bekenntnis eines jungen Menschen, der einen Weg sucht und sich für Gott entschieden hat. „Unser Glaube und Gottes Liebe sind ein festes Fundament fürs Leben.“  Doch der Text aus Epheser 3, 20 bietet mehr: „Gott aber kann viel mehr tun, als wir jemals von ihm erbitten oder uns auch nur vorstellen können. So groß ist seine Kraft, die in uns wirkt.
Für Caroline ist diese Zusage Grund genug, uns Mut zu machen: „… mit Gott große Schritte zu wagen, Konventionen zu brechen, uns unabhängig von Anerkennung oder Kritik zu machen und allein danach zu fragen, was Gott wichtig ist. Damit wir ihn erleben können.“


„Vater, deine Liebe
“ singen wir gemeinsam, bevor die Kinder zu ihrem ganz eigenen Programm in ihre Räume gehen und wir Erwachsenen ein wenig Zeit zum Beinevertreten haben.
Nach der Pause stimmen wir nun wieder ein gemeinsames Lied an: „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Selten ist der Raum klanglich so warm gefüllt. Die modernen Instrumente fügen sich angenehm zum Gesang der Gemeinde.
Nun kommt noch einmal Bewegung in den Gottesdienst – das gewohnte Bibelgespräch in Gruppen. „Gott sei Dank!“ lautet das Thema. Ein Zufall? Die Diskussion in einer der Gruppen erlebe ich offen, selbstkritisch, auch kreativ.  

Der Gottesdienst wird in wenigen Minuten zu Ende gehen. „Vater unser“ – das Gebet Jesu singen wir als abschließendes Segenslied. Wer möchte, darf sich danach  noch eines der kleinen Aquarelle mitnehmen, die Caroline speziell für diesen Gottesdienst gestaltet hat. Wir drängen langsam nach draußen – endlich, befreit von der fast unerträglich gewordenen Hitze im Saal. Dessen ungeachtet aber herzlichen Dank den jungen Leuten für diesen erfrischenden Lobpreisgottesdienst.


(Text: LU | Bilder: CS)