Bericht mit Bildern

Samstag | 23.06.12

Open-Air-Gottesdienst auf dem SONNENHOF

Adventgemeinden in Dresden und Umgebung

Das Dröhnen eines Flugzeugs drängelt sich gemächlich in die muntere Bläserfanfare. Wir sitzen unter strahlend blauem Himmel auf mit Decken gut gepolsterten Bänken ...


... und mitgeschleppten Campingstühlen. Die weißen Wölkchen über uns verheißen einen schönen warmen Tag. Sonnenhofgottesdienst, wir sind gespannt.

Heiter war der Spaziergang vom Parkplatz bis hierher, trotz nicht geringem Gepäck. Die Jugendlichen hatten mit einem lustigen Video schon Wochen zuvor in den Gemeinden für konsequenten KFZ-Verzicht zwischen Parkplatz und Sonnenhof-Gelände geworben, mit Erfolg. Mancher hatte deshalb vorsorglich eine Karre zur Hilfe, andere waren gleich mit den Fahrrädern gekommen. Kühlboxen, Körbe mit versteckt gehaltenen Gaumenfreuden, Sandspielzeug für die Kleinen, Liederbücher und Getränke im Gepäck – so ein Tag lebt auch vom Genuss.







Auf der Terrasse vor dem Haupthaus drängeln sich einige junge Sängerinnen und Sänger, dazu Instrumentalisten mit Posaunen und Gitarre zwischen Keyboard, Notenständern und Mikrofonen. Mittendrin die „Predigtkanzel“. Wilfried Höhne, Pastor aus Pirna, grüßt in die Runde – hinauf zu denen, die sich die schattigen Plätzchen im Grünen genießen. Und er stellt uns Wilfried Schulz kurz vor, Gast aus Hamburg, der die Verkündigungen der Predigt und für den Nachmittag vorbereitet hat. Der Gottesdienst beginnt mit einem gemeinsam gesungenen Lied. Wieder rumort ein Flieger, doch niemand lässt sich beim Singen stören.



Es wird lebendig vor der Terrasse. Im Programm ist zu lesen: Bibelimpuls für Kinder. Pastor Detlef Hummel ruft die Kinder zusammen und erzählt die Geschichte vom Fischzug des Petrus. Jesus hat diesen erfahrenen Fischer nach einer erfolglosen Nacht noch einmal auf den See geschickt, und danach rissen fast die Netze. Nach diesem beeindruckenden Erlebnis soll Petrus nicht mehr Fische, sondern Menschen fischen.





Klar, dass viele Zeitgenossen diese Aufforderung missverstehen. Doch der Theologe  erklärt jetzt Theologie ganz einfach: Fische fangen, so der Grundtext, bedeute, dass die Fische nach dem Netzfang tot sind. Für das Menschenfischen habe der Schreiber des Evangeliums aber eine völlig andere Vokabel verwendet, sie bedeute: ins Leben bringen. Das klingt ganz neu. Und so bündelt Detlef Hummel alles auf den einen Kernsatz: Bitte KEINE toten Fische!

Die Kinder erhalten Angeln und dürfen aus dem großen Holzboot, das da auf der Wiese liegt, kleine Tonfische hevorziehen, lächelnde. Jeder von uns wird mit so einem  rehbraunen Kerlchen zur Erinnerung an diesen biblischen Text beschenkt. Diese Aktion war nicht nur Kindern wertvoll.     
     




Alle Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren dürfen nun gespannt sein. In Begleitung des Kindergottesdienstteams aus dem Adventhaus sollen sie in spielerischer Weise in die Geschichten von Jesus entführt werden. Sogar ein aus ferner Zeit zugereister Bewohner Kapernaums mit Galabaia, einem bodenlangen Gewand und mit der Agal zusammengehaltener Kuffyya, dem landestypischen Kopftuch, wartet geduldig, bis auch der letzte der gut gelaunten Zwerge den Weg zur Gruppe gefunden hat. Endlich geht es los, tief hinein in den frischen Wald.

Der kleine Bach wird zum See Genezareth angestaut, landestypische Häuser aus Palästina entstehen, eine Synagoge wird mit leicht zu findenden Materialien aus der Dresdner Heide zusammengesetzt, ein Römerlager erhebt sich aus bunten Tüchern, feinstes Salböl wird bereitet und aus Zweigen, etwas Schnur und großen Blättern werden hochseetaugliche Flöße gezimmert. Die Kinder sind ganz bei der Sache.



Und dann gibt es noch eine richtig echte Seilbrücke, von den Pfadfindern im Dickicht verzurrt. Das gibt vor allem den Größeren noch einmal richtig Schwung. 



Inzwischen hören wir von einem Schul- und Krankenhausprojekt in Indien, bei dem sich unser Pastor Andreas Hildebrandt seit vielen Jahren hautnah engagiert. Und wir lauschen der Predigt von Pastor Wilfried Schulz ...

Nach dem Sturm auf die appetitanregende überquellende Mittagstafel stellt nun Wilfried Schulz in einer weiteren Verkündigung verschiedene Thesen zum Thema „Mission“ vor. Ausgangspunkt bilden aber dieses Mal kein Bibeltext, sondern eigene Erfahrungen und daraus resultierende persönliche Konsequenzen für das Gespräch mit Menschen über Gott und Glaube. Seine Position ist nachvollziehbar: „Mission“ in seinem eigentlichen Sinne gehöre zu jeder Gemeinde und jedem Christen selbstverständlich dazu. Allerdings – es gebe keine pauschale Form, kein Patentrezept, keine feste Regel, nach der sich jeder gleichermaßen richten müsse. Vielmehr solle jeder die Möglichkeiten nutzen, die Gott ihm ganz individuell zur Verfügung stellt und sich den Situationen gelassen öffnen, in die er führt.

Es bleibt noch genügend Zeit für das Gespräch. Mit Humor und in spürbarer Offenheit stellt sich Wilfried Schulz den unterschiedlichen Fragen und Anregungen aus dem Publikum. 





Immer noch ziehen kleine weiße Wölkchen weit oben über uns hinweg. Ein gemeinsames Lied, der Segen, ein letztes von den jungen Leuten vorgetragenes Lied als Verabschiedung. Und endlich lockt die üppige Kaffeetafel unter den weißen Zeltplanen zu etwas Beine vertreten und weiterem Geplauder.

Dieser Tag sollte etwas Besonderes werden, und er ist etwas Besonderes. Ausgelassen tollen die Kleinen zwischen den Großen hin und her, angeregt unterhält man sich in kleinen Grüppchen weit im Gelände verstreut. Mancher ist auf einer Decke eingenickt. Die Jugendlichen albern miteinander herum. Und irgendwann, lange nach offiziellem Schluss, schlendern auch die Letzten in Richtung Parkplatz davon.



Dank all denen, die sich Mühe aufgeladen haben, um diesen Tag zu einem kleinen Fest werden zu lassen. Dank denen, die den Gottesdienst gestaltet haben oder im Hintergrund bereit waren, schweißtreibende Aufbau- und Aufräumarbeiten in aller Stille zu erledigen.

 
(Fotos: FK, JN, BM, AH, JG | Text: SG, LU)