Bericht mit Bildern

Samstag | 05.05.12

Stadtgottesdienst mit Jugendaufnahme

Adventgemeinden in Dresden

Der diesjährige Stadtgottesdienst wurde wie gewohnt von der Jugendgruppe Dresden inhaltlich nachdenkenswert und sehr kreativ gestaltet. Thema: Wert.Stoff.Annahme.




Stadtgottesdienst. Jugendaufnahme. Ein immer wieder lang ersehnter Termin, besonders von den jungen Leuten. Der Saal füllt sich. Freie Stühle werden rar. Freudiges Wiedersehen. Gäste von weither. Umarmung hier und da. Nervöses hin und her. Gedrängel. Ungeachtet dessen greift die Band zu den Instrumenten. Bekannte Melodie. Das Intro für diesen besonderen Gottesdienst.



Laura und Carsten begrüßen uns. Sie werden durch den Gottesdienst führen. Es folgt der Lobpreisteil: Textlesungen, gemeinsam gesungene Loblieder. Ein Gebet. Und noch zwei Lieder zum Mitsingen, englisch. Die Band führt uns sicher.





Zwei hübsche Mädchen betreten die Bühne. Eine beginnt Flöte zu spielen. Doch es will nicht recht klingen. Und während sie sich mit wenig Elan müht, entlockt die andere zauberhafte Klänge ihrer Geige. Frust. Neid. Die Bitte, die Instrumente zu tauschen, soll eine Rettung möglich machen. Eine Geige sei ein besseres Instrument. Doch der Tausch entpuppt sich als Irrtum. Auch eine Geige kann miserabel klingen, wenn man dieses Instrument nicht beherrscht. Schnell siegt die Einsicht. Der Entschluss: jeder bleibt doch bei seinem Instrument. Und mit geduldigem Üben bei gemeinsamem Spiel entsteht nach und nach plötzlich wunderbare Musik.





Gitarren, Piano, Schlagzeug, Gesang. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt". Der Titel verspricht die Arie aus Händels „Messias". Aber getäuscht. Ein modernes Lied wird geboten. Die Ohren folgen der fremden Melodie, dem Text. Die jungen Leute machen ihre eigene Musik. Sie singen gern. Das ist gut so.

Plötzlich kommt chaotische Bewegung in den Saal. Hektik. Rufe. Ein Mädchen sitzt auf der Bühne und imitiert lautstark eine Polizeisirene. Die drei jungen Leute, die sich auf ihre Jugendaufnahme freuen, werden etwas unsanft nach draußen geschleppt. Eine Entführung. Mitten im Gottesdienst. Pause.



Kurze Zeit später quillt der bekannte Tumult von draußen wieder herein. Da sind sie wieder: Anne-Sophie, Sven und Oliver. Gefesselt werden sie von der johlenden Truppe auf die Bühne geführt. Spaß scheint das Durcheinander jedenfalls allen Beteiligten zu machen. Die Gesichter verraten das Schauspiel.







Der mit rotem Kopfwickel auffällige „Chef", wie er genannt wird, möchte die drei nun verkaufen. Höchstgebot, zehn Prozent Gewinnbeteiligung für drei Helfer. Sie sollen die Arbeit machen.

Nora beginnt ihren Bruder vorzustellen: „Das hier ist Oliver ... Er musste mit drei Schwestern aufwachsen ... hat ganz schön viel durchgemacht ... spielt Posaune ... ist kräftig ... Eigentlich der perfekte Mann ..." Beifall des Publikums.

Anne-Sophie erhält nun ihr Prädikat von der etwas älteren Schwester: „... noch jung, deshalb kann man ihr viel beibringen ... Aber, für den Haushalt ist sie eigentlich perfekt ... ein ganz umgänglicher Mensch ... und viel gute Laune ..."  Wieder zustimmender Beifall.

Adrian legt die Hand auf die Schulter seines jüngeren Bruders: „Noch ist Sven dreizehn, wird aber noch älter ... kommt aus Norddeutschland, also ... Kälte verträgt er ohne Ende ... und, dünne Arme hat er, damit kommt er in jede Ecke rein, deshalb wunderbar zum Putzen geeignet ... Auch in der Küche kann er viel machen – kochen kann er. Den Vorkoster kann man also rausschmeißen ..."  Frohes Lachen, Beifall.





Erste Gebote werden gerufen. Es wird lauter im Saal. Hin und her. Drei Talente. Fünf Talente ... Den Zuschlag erhält letztlich die Jugendgruppe Dresden selbst: „Wir geben alles was wir haben!". Ihnen seien die drei es wert. Das ist treu dem Thema dieses Gottesdienstes.



Stephan Gäbel, neuer Jugendpastor in Dresden, beginnt seine Predigt. Die uralte Josef-Geschichte hat es ihm angetan. Die Geschichte dieses verwöhnten Jungen, der sich für etwas besseres hielt. Der seine älteren Brüder mit seinen Ideen und Träumereien mächtig nervte. Der das Maß nicht fand und letztlich von den Großen mundtot gemacht wurde, verkauft als Sklave. Doch seinen Wert verlor er deswegen nicht. Die Bibel erzählt eine grandiose Kehrtwende, letztlich das Wiedersehen mit den Brüdern nach vielen Jahren. Versöhnung. „Gott hat mich vor euch hergesandt."

Und dann erzählt Stephan Gäbel auch eine Anekdote von sich selbst. Flötenspiel. Ein geplantes Vorspiel in seiner Heimatgemeinde. Lampenfieber. Die ersten Töne. Dann das Fiasko mitten im Spiel. Die Noten. Welche Noten eigentlich? Welche Zeile? Wie ist das Ende? Totaler Aussetzer. Neu beginnen. Aber wie war der Anfang? Tränen ... Tränen eines Achtjährigen. Auf der Bühne. „Alle konnten es hören und sehen." Nie wieder würde er Flöte öffentlich spielen!





Ein letztes vorgetragenes Sololied: „Du schreibst Geschichte". Gemeindeleiter und Jugendgruppenleiter übernehmen sichtlich gern das Programm. Glückwünsche. Ein Bibelspruch für jeden der drei Neuen. Blumen. Ein Geschenk. Segensgebet.

Noch einmal greifen die Gitarristen in die Saiten. „Etwas in mir", der Titel des Liedes. Der Rhythmus reißt mit. Jung und alt singen gemeinsam dieses spritzige Jugendlied. Nach dem Schlusssegen ist die Jugendgruppe zu einem Fototermin vor das Adventhaus eingeladen. Und da reihen sie sich nun auf wie bei einem Foto für das Familienalbum.



Dabei bleibt es aber nur ein paar Sekunden. „Nochmal etwas anders. Mehr von der Seite! Drehen! Lächeln! Vielleicht hinhocken? Die vorn zumindest." Jetzt wird es besser, für die, die hinten stehen. Man sieht es.



Und endlich platzt der Knoten. So sein, wie man gern solch einen Tag gemeinsam feiert. Drei Neue in der Gruppe! Da gilt es auszuflippen. Man darf ab und zu den Boden unter den Füßen verlieren. Und Feiern lohnt sich doch sowieso. Wir sind ja alle wertvoll!



(Fotos | Text: LU)