Bericht mit Bildern

Samstag | 21.05.11

Stadtgottesdienst mit Jugendaufnahme

Adventgemeinden in Dresden und Umgebung

Der diesjährige Stadtgottesdienst wurde wie gewohnt von der Jugendgruppe Dresden inhaltlich nachdenkenswert und sehr kreativ gestaltet. Thema: Das ICH im WIR.




Dürre, alle gleich flauschige, verschieden farbige Männlein mit übergroßen Köpfchen klettern behend an Geländern, Fensterkreuzen, Lampen und Wänden entlang. Diese lustigen Kerlchen wurden von den Jugendlichen engagiert, um die Besucher dieses besonderen Gottesdienstes in Empfang zu nehmen. Viel mehr verrät der Raum dieses Mal nicht von der bevorstehenden Jugendaufnahme. Ein Tisch, zwei Stühle, eine Staffelei mit einem alten Bilderrahmen – Stillleben. Ach ja, und die Band: Gitarren, Piano, Schlagzeug, Technik, Mikrofone – mehr ist nicht zu sehen. Aber die Plätze sind bereits eine halbe Stunde vor Beginn fast vollständig besetzt. Weit hinten werde ich fündig.



Musik setzt ein, im Saal verstummen schlagartig die letzten Gespräche. Wir werden begrüßt. Charmant laden uns Laura und Carsten ein, miteinander zu singen: „Danke!" Und noch ein Lied: „Herr, nur ein Tag". Wir beten, singen ein weiteres Lied. Die Arrangements tun gut in meinen Ohren, der sanfte Rhythmus des Schlagzeugs, das Klavier, die Stimmen der jungen Leute. Nicht jedes Lied kenne ich, gern würde ich kräftiger mitsingen, taste mich am Gesang der anderen langsam voran, höre einfach nur zu.

Danach auf der großen Leinwand vorn erste Bilder. Ein Wohnzimmer, ein Sofa, ein Gesprächspartner. Der Ton verrät: hier werden Eltern und Geschwister nach denen ausgefragt, die heute in die Adventjugend aufgenommen werden. Und es ist zu spüren, dass da jedes Wort wohl überlegt sein will. Teenager können sich unendlich grausam rächen.
Die Fragen sind harmlos, manche Antwort löst Erheiterung bei uns Zuschauern aus. Andere Fragen gehen auch tiefer, vor allem an den Stellen, an denen die Jugendlichen selbst Rede und Antwort stehen müssen. Sie sind tapfer, plaudern, verraten uns manches kleine Geheimnis. Die Jugendgruppe Dresden übt inzwischen Faszination aus. „Die sind alle so cool drauf!" „Ich freue mich darauf!"
Einmal bleibt die Filmaufzeichnung stecken, ein zweites Mal. Schwitzen bei den Technikern, so vermute ich. Die bedrohlich scheinende Stille im Saal, oder ist es heitere Gelassenheit? Schon geht es weiter. Die letzten Sequenzen. Ende.



Clara, Ester, Pia, Adrian und Manuel werden nach vorn gebeten. Jetzt werden wir sie in echt zu Gesicht bekommen. Meine Neugier steigt spürbar, das gehört wohl an dieser Stelle ein wenig dazu. Und – chic sehen die fünf aus. Etwas zaghaft sortieren sie sich in eine Reihe. So unterschiedlich sie sind, trotzdem bewegen sie sich im Moment gleichermaßen unsicher, lächeln, brav wie Lämmlein, alle fünf. Noch ein paar spontanen Fragen müssen sie sich stellen. Jetzt wird deutlich, wie unterschiedlich sie sind. Die Jugendgruppe kann sich jedenfalls warm anziehen, denn da ist Feuer im Anmarsch: ideenreich, kreativ, mit Flausen im Kopf, bereit, die Welt zu verändern, bunt, Holz hackend, musikalisch und mit frischem Selbstbewusstsein. Das ICH im WIR. Prima, denke ich!

Und wieder Musik: „Wofür man lebt." Ich lausche, folge dem ruhig interpretierten Sologesang. Es geht doch! Macht weiter, ihr jungen Leute! Nutzt euer Potential, gemeinsam! Und, ... Pause.

Es flimmert an der Leinwand. Schwarz-weiß. Honkytonk wie zu Zeiten des Stummfilms. Knistern aus den Lautsprechern, spröde Risse zappeln über die Bilder. Eine Wand, davor ein altes Gemälde. Dann kommt da wer und will das Bild an die Wand heften. Ohne etwas, ohne Hammer, ohne Nagel. Klappt natürlich nicht. Und dann ...
Jetzt schreibe ich nicht weiter. Paar Screenshots helfen an dieser Stelle der Fantasie. Die Jugendlichen haben ganze Arbeit geleistet mit Schauspielerei und Filmemachen zum Thema. Das Ding gehört ins Netz geladen, youtube. Meinen Klick kriegt der Film auf jeden Fall.









Das ICH im WIR. So lautet das Thema dieses besonderen Gottesdienstes. Ein gut gekleideter Herr in dunklem Jacket richtet sich vorn am Tisch ein, sortiert ein paar Unterlagen, greift zum Telefon und bittet einen ersten Bewerber herein. Ein Clown prescht heran, mit langer grellbunter Latzhose, Schlapphut, sichtlich selbstbewusst. Er will die Stelle im Zirkus haben, er wird sie bekommen. Die Fragen des Personalchefs sind für ihn kein Problem, seine Vita ist mustergültig, Schauspielstudium, Abschluss „Alles schon gemacht, alles im Griff!" Der Überschwang steckt an. Ohne Umschweife wird durch die Blume die Stelle zugesichert. Das nennt man erfolgreiche Bewerbung. Vorhang zu.




Der zweite Bewerber wird hereingerufen. Auch ein Clown, zurückhaltend, fast verklemmt wirkend, zaghaft, die Hände verkrallt in den weiten Falten der Hose. Er war früher Beamter in einem städtischen Büro. Im Publikum hörbares Amüsement. Peinlich. Oder ist das schon Teil einer clownischen Show? Der schwarz Gekleidete widerspiegelt meine Unsicherheit, nein, er trifft eine Entscheidung. Seine Enttäuschung kann er nicht verbergen, poltert sie ungehalten raus. Ein Clown hat Spaß zu machen. Die Zeit ist zu schade, dort ist die Tür. Alles Gute noch! Vorhang zu.

Der Bunte, der Sichere wird eingestellt. Manege frei. Das Publikum schaut erwartungsvoll. Ich bin gespannt. Gespannt. Was ist los. Der so selbstsichere Clown schaut hilfesuchend zu seinem neuen Chef. Der schiebt ihn aufmunternd näher an uns heran. „Was ist los?" „Da sind Kinder!" „Ja und?" „Ich trau mich nicht. Es sind so viele Leute" „... ... ..." „Ich habe noch nie vor Publikum gespielt, nur vor meiner Seminargruppe beim Studium." ... 




Die Rettung kommt von außen. Pastor Detlef Hummel drängelt sich in die Krisensituation. Beide Clowns solle der Schwarze einstellen, so versucht er zu motivieren. Die zwei könnten sich ergänzen. „Zu verschieden. Kann ich mir nicht vorstellen! Geht nicht!" Der Pastor lässt nicht locker. Er wird eindringlich. „Beide gehören zusammen." 

Schon sind wir mitten drin in der Predigt. „Jede Gemeinschaft lebt vom kleinen WIR.", so hören wir. Ohne die kleinen, engen Beziehungen verlieren wir uns in den großen Gesellschaften. Allein ist man dort verlassen und verloren. Wir brauchen die kleinen Beziehungen, das DU, das WIR.
Texte aus der Bibel, aus Prediger 4, werden zitiert: „So ist´s ja besser zu zweien als allein; ... Weh dem, der allein ist, wenn er fällt ... Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei".
ICH, DU, GOTT. Eine dreifache Schnur. Wir sind irgendwie alle gleich, gleichwertig, vor Gott. Die kleinen flauschigen Kerlchen symbolisieren uns das. Und sie symbolisieren auch die Unterschiedlichkeit: kunterbunt, jedes anders, jedes hangelt, spielt und klettert an anderen Stellen durchs Universum. So muss es sein, so ist auch Adventjugend gedacht, Gemeinde, das WIR.
Die Predigt kommt bei mir an, ich verstehe. Beide Clowns werden schließlich eingestellt. Die Idee überzeugt. Lied, Gratulationen, Gebet, Segen. Eine gesegnete Jugendzeit Euch Neuen: Manuel, Adrian, Pia, Ester und Clara. Genießt die Zeit!

Der Gottesdienst hat gut getan. Die Jugendgruppe hat ihn liebevoll und kreativ gestaltet. Ein großes Dankeschön ans Team!


(Fotos und Text: LU)