Bericht mit Bildern

Sonntag | 29.08.10

13. Löbtauer Kinderstraßenfest

Gemeinde Dresden-West

Auch für dieses Jahr war im Stadtteil Dresden-Löbtau das bereits zur Tradition gehörende Kinderstraßenfest geplant – organisiert von der Adventgemeinde Dresden-West gemeinsam mit der Dresdner Adventjugend.


Die Stimmung liegt am Boden. Grund: der Blick auf die Wetterkarte. Wechselhaft, eher schlecht, verregnet, kalt. Noch sind es zwei Tage bis zum 13. Kinderstraßenfest in Dresden-Löbtau. Aber es entmutigt. Vielleicht liegt es daran, dass sich der Sommer so plötzlich und gnadenlos verabschiedet hat. Sei es, dass der Arbeitsalltag nach dem Urlaub schon wieder mächtig an den Kräften zehrt.

Sonntag vormittag. Die ganze Nacht hat es geregnet, der Himmel hängt schwer und dunkelgrau über der Stadt. Trotzdem – die ersten weißen Überdachungen bringen mattes Licht in den tristen Tag. Wir bauen auf, vielleicht etwas lustlos. Eins aber motiviert ein wenig: immer mehr Mitarbeiter treffen ein, erstes Lachen ist zu hören. Der Aufbau klappt wie am Schnürchen, jeder scheint seine Aufgabe zu kennen, sieht notwendige Handgriffe. Das rot-weiße Kranfahrzeug rangiert an seinen eng bemessenen Platz. Farbenfroh entfaltet sich die gigantische Hüpfburg und bietet Kontrast zum stahlfarbenen Himmel.

Einige der fast erwachsenen Helfer toben wie Kleinkinder auf den prallen Luftkissen der Hüpfburg herum. Das entspannt. Die dürren Arme des eisernen Wurmjet stemmen sich einer nach dem anderen gegen den feuchten Asphalt. Dann eine erste Probefahrt. Unser Pastor Andreas Hildebrandt hat sich in eine der kleinen Plastiktonnen geklemmt und donnert mit ohrenbetäubendem Getöse der Rollen die Bahn hinunter, laut lachend. Beifall der Umstehenden. Schrammen an den Schienbeinen. Eine Windböe reißt einen der Sonnenschirme um.



Es ist Mittag. Niemand redet über das Wetter. Emsig werden die letzten Vorbereitungen erledigt. Das Kinderfestbanner muss noch gespannt werden. Schmale Absperrbänder rasseln im Wind. Es ist ungemütlich. Und es wird immer ungemütlicher. Noch eine halbe Stunde bis zum Start des Festes. Es wird finster. Erste Wassertropfen wehen heran. Dann sprüht es Nebel, schnell wird es ernsthafter Regen. Es soll ein Kinderfest werden! ... Draußen auf der Straße! ... All die Mühe! ... Den Himmel scheint es nicht zu beeindrucken.



Vierzehn Uhr. Jörg Pistorius, Leiter des Festes, begrüßt trotz Trostlosigkeit einige wenige Gäste, die unter den Schirmen Schutz gesucht haben. Zwei, drei Kinder vergnügen sich einsam in der Hüpfburg. Ansonsten sieht alles recht traurig auf dem  fast menschenleeren Platz aus. Die fröhliche Musik wirkt leicht grotesk, obwohl der Regen etwas nachgelassen hat. Wieder kommen einige Familien von irgendwoher heran. Und es werden immer mehr. Der Himmel scheint mit uns ein Spiel zu spielen, als wolle er unser Vertrauen testen. Es wird spürbar heller. Löcher reißen in die tiefhängende Wolkendecke und zeigen erstes freundliches Hellblau.





Die Sportspiele laufen inzwischen auf Hochtouren. Kinder drängen sich beim Schminken. Die ersten roten Kisten werden unter dem Kran gestapelt. Neugierige Blicke in das leuchtend gelbe Fahrzeug des Malteser-Rettungsdienstes, das Feuer der Pfadfinder lockt ganze Scharen heran, es räuchert, nebenan sind die ersten Grillwürstchen verkauft, die Hüpfburg jetzt voll laut krakelender Kinder.



In die Bastelstände ist Bewegung gekommen, es wird geklebt und gefummelt. Nebenan versucht ein erstes Kind in der alten Druckerei eine Druckform zu schneiden, gegenüber kleckern im Maldampfer bunte Farben auf die drehende Scheibe. Die jungen Musiker der Jazzband blue-dragons füllen das Feiern mit ihrer fetzigen Musik, zaubern Lächeln auf die Gesichter der Eltern und Bewegung in die Hüften mancher Mädchen und jungen Frauen. Die Sonne schiebt die letzten Wolken weg. Es wird eng auf der Schillingstraße. Die Pferde und Ponnys von Picls-Reiterhof tragen stolz dreinschauende Kinder im Kreis, der Wurmjet kommt nicht mehr zur Ruhe, der erste Höhenrekord beim Kistenklettern, Clowns und bunte Blumengesichter suchen nach weiterer Abwechslung. Das von Profihand gerührte Eis schmeckt wunderbar, Kuchen und Kaffee ebenso. Plötzlich ist der Himmel wieder schwarz, es regnet. Alles flüchtet unter die Zelte.





























Keine Viertelstunde später. Alle Gäste sind noch da, tatsächlich, und es werden immer mehr. Wieder scheint die Sonne. Die blue-dragons schmettern ihren Trompeten-, Saxophon-, Piano-, Schlagzeug- und rauhen Stimmensound über den quirligen Festplatz. Aber sie sind nicht die Einzigen, die besonders auch die Erwachsenen begeistern. Da ist noch das Puppentheater von Stefan Filter – die knuffigen Kerle mit den bunten Nasen –, und das Tanz-Ensemble tikwa mit den hübschen Mädchen und ihren zauberhaften Choreographien. Es ist eine wunderbare Feststimmung. Ausgelassen und heiter geht es zu. Mancher trifft Freunde, Kollegen, kommt ins Gespräch mit wildfremden Menschen. Kleine Kinder streifen zielsicher wie zu Hause in dem Menschengewühl umher. Die Anspannung des Mitarbeiterteams löst sich nun völlig auf, vergessen sind die Sorgen der letzten Tage und der stille Frust von vormittag über die Wetterlage. Es scheint wieder ein traumhaft schönes Fest zu werden. Dem Himmel sei Dank!



Viel zu zeitig neigt sich der Nachmittag dem Ende. Und schneller als erwartet ist die Straße wieder geräumt, gegen acht alles in den Kisten verstaut, die meisten größeren Sachen schon wieder dorthin transportiert, von wo sie entliehen worden sind. Nur der Wurmjet muss noch tief nach Bayern, südlich von München, aber heute nicht mehr. Ja, richtig gelesen! So weit weg von Dresden gibt es Freunde des Kinderstraßenfestes, die uns das stählerne Ungetüm gern ausgeliehen haben, kostenfrei – und sogar gebracht, ehrenamtlich.


 
Es war ein Fest, nicht zu heiß, nicht zu kalt, viele viele Gäste, mehr als erwartet, trotz mehrerer paralleler Angebote in der Nähe und entgegen allen Wetterprognosen. Das befanden auch die etwa 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: die jüngsten sind gerade 12 und wollten zu keinem Zeitpunkt eine Pause machen, die ältesten sind bereits 79 Jahre alt und haben, wie so oft schon, in der Küche geschuftet. Alle waren gern dabei, freiwillig, ehrenamtlich. Der Lohn der Mühe ist ihnen ins Gesicht geschrieben: Freude über einen gemeinsamen schönen Tag mitten in Dresden-Löbtau.

Das Kinderstraßenfest war auch dieses Jahr wieder ein Geschenk des Himmels. Garantiert. Dankeschön!



Montag, einen Tag später: Dauerregen, ununterbrochen. Kalt, düster. Dienstag, zwei Tage danach: immer noch Regen, Herbstgefühl.  Dann ein erhoffter Anruf: der Wurmjet ist gut in Bayern eingetroffen und die beiden Fahrer nach 1.200 Kilometern wieder gesund in Dresden angekommen ...

Förderer/Partner:

  • Stadtjugendamt und Stadtjugendring e.V.
  • MALTESER-Hilfsdienst Dresden
  • TIKWA Tanz-Ensemble Dresden
  • Jazzband blue-dragons
  • Simone Löwe, Kinderschminken
  • B.A.S. Verkehrsabsicherung
  • LEHMANN Zugangstechnik
  • Elch Adventure Tours
  • JACQUES` Weindepot
  • Spedition Bartsch & Weickert
  • QUILOMBO Eine-Welt-Laden
  • ASPHALTCOWBOYS Reiterhof Picl
  • Mocca-Milch-Eisbar | Saalshausener Straße
  • etwa 45 ehrenamtlich tätige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
    der Adventgemeinde Dresden-West und der Adventjugend Dresden
  • etwa 15 Freunde und Nachbarn

 

(Fotos: BM FH DW | Text: LU)