Bericht mit Bildern

Sonntag | 13.12.09

Adventfeier – bunt gemischt in froher Atmosphäre

Gemeinde Dresden-West

Auch dieses Jahr erlebten wir gemeinsam mit der Gemeinde des Apostelamtes Jesu Christi einen Nachmittag, der liebevoll gestaltet wieder zu einem besonderen Adventserlebnis wurde.


Die Plätze in dem eng gestellten Raum füllen sich innerhalb einer halben Stunde recht schnell. Wiedersehen nach langer Zeit zaubert an dem einen oder anderen liebevoll geschmückten Tisch freudiges Geplauder. Für uns noch neue Gesichter gehören nach nur wenigen Minuten ganz einfach mit in die Runde.

Es könnte so entspannt in einen Kaffeeplausch münden. Aber eine Adventfeier hat ein Programm, und ein Programm muss natürlich einen ordentlichen Auftakt haben. Dafür sorgt nach einer kurzen Begrüßung von Dirk Ritter ein erstes wunderschönes Chorlied.



Der Chor wird durch Sängerinnen und Sänger unserer Gastgemeinde und von Freunden stimmkräftig erweitert. Tatjana Rostowski, Erhard Güttler, Marion Scheel und Julius Scheel ergänzen den Chorklang mit Klavier, Orgel und Cello.

Danach eröffnen unsere vier Bläser ein erstes gemeinsames Weihnachtslied. Schnell vergessen wir, dass draußen nur noch nasse Bürgersteige an ein wenig nächtlichen Schnee erinnern.
Ein wärmendes Gefühl von Advent verdrängt spürbar auch Gedanken an den Stress der bevorstehenden Woche, an Hektik und manchen Ärger zu Hause oder auf Arbeit. Eine Pause machen, in solch einer Gemeinschaft – es tut einfach gut.





Anne, Marie-Luise, Ronald, Adrian und Beate erfreuen uns in dieser Stunde mit kleinen Musikstücken an den Instrumenten. Und die Jugendlichen Laura, Sophie, Lucas, Philipp, Felix und Marcus entführen uns – das muss so sein – in eine unglaubliche Geschichte:

Herr Fröhlich ist da unterwegs, trifft erst einen Typen mit einem reparaturbedürftigen Engel unter dem Arm und dann noch Herrn Specht, der vom Unglück verfolgt zu werden scheint. Der ist fix und fertig, und das kurz vor dem Fest:

„Heiliger Abend hin, Heiliger Abend her. Ich werde Ihnen jetzt rasch noch was sagen, mein Freund! Meine Frau hat die Grippe. Mein Sohn hat ein Bein gebrochen. Meine Tochter hat schon wieder einen neuen Freund. Und unser Hund hat den Briefträger gebissen. Dabei ist er nicht versichert! Das Biest hat mich immer so treuherzig angeguckt, und da sagte ich mir, Specht, sagte ich mir, die Versicherung für so ein treuherziges Tier kannst du dir sparen! Hätte das Vieh den neuen Freund meiner Tochter gebissen, oder auch den alten, ich hätte ihm zur Belohnung eine Wurst unter den Christbaum gelegt!"

Das Gespräch geht noch etwas hin und her, dann taucht der Typ mit dem Engel wieder auf, der eine Bethlehemstraße sucht. Herr Specht beginnt zu schwitzen, dann bricht er plötzlich zusammen – mitten auf dem Bürgersteig ...





... und wähnt plötzlich einen leibhaftigen Engel, weiß mit zwei Flügeln, und dann noch ein junges Paar mit einem Baby. Und Herr Specht begreift das Gespräch nicht, kann nicht folgen – dass die drei nach Ägypten wollen, und der Engel aufpasst, dass da nix schief geht. Die Reise nach Ägypten soll zu Fuß geschehen. Er versteht immer noch nicht, dass es die Weihnachtsgeschichte ist – dass es da kein Auto gab, und die Goldpreise nicht dem heute aktuellen Kurs entsprachen und König Herodes nicht der neue Kanzler Deutschlands sein würde ...



Langsam kommt Herr Specht wieder zu sich, mitten auf dem Gehweg. Er steht etwas mühsam auf, sucht seine Sachen zusammen und braucht einige Zeit, um sich zu erinnern. War das ein Traum, oder war es Wirklichkeit? Und wie weit ist es bis Ägypten? Zu Fuß? ...

In einer anschließenden Andacht von Pastor Johannes Scheel werden wir erinnert an den Sinn der Weihnachtsgeschichte, an das Heilshandeln Gottes, an die Not von Menschen und die Verantwortung, sich Heimatlosen und Ausgestoßenen zuzuwenden.



Und endlich – nach einem Bachchoral, vom Chor gesungen, und dem abschließenden Gebet durch den Gemeindeleiter unserer Gastgemeinde – werden Kuchen, Stollen, Plätzchen und Kaffee freigegeben. Gemurmel erfüllt zunehmend den Saal, es wird unbeschwert geschwatzt. Bis es mittendrin dann doch noch einmal etwas Besonderes gibt ...



Ein sanftes leises Lied rieselt unerwartet in die vergnügte Stimmung: „O alele > O alele,  a tschiktikitomba > a tschiktikitomba, a massa massa massa > a massa massa massa, aloe aloa aloe > aloe aloa aloe." ...

Zaghaft beginnt ein Wechselgesang zwischen Doreen Eisfeldt und der großen Tischgemeinschaft im Saal. Die Kinder werden mit zartem Klang eines Bongo nach vorn gerufen.
Das Lied, so wird ihnen nun erklärt, sei ein Weihnachtsbrauch von Beduinenkindern in der Wüste: „O alele > ..., a tschiktikitomba > ..., a massa massa massa > ..., aloe aloa aloe > ... "



Leuchtende Gesichter, als die ersten verlockenden Geschenke aus einem Korb geborgen werden. Auch so etwas kennen Beduinenkinder. Die Jungen und Mädchen drängeln sich um die bunten Päckchen und tragen ihre Schätze freudestrahlend zu den Eltern; nur die älteren unter ihnen reißen in kaum zu bremsender Neugier ungeniert die Geheimnisse unterwegs schon aus dem Papier ...

Ein schöner Nachmittag war es – für jung und alt.


(Fotos | Text: LU)