Bericht mit Bildern

Samstag | 21.03.09

ein Gottesdienst und ein Fußballspiel

Gemeinde Dresden-West

Dieser Gottesdienst wurde anlässlich unseres Festjahres 2008-2009 von den Jugendlichen unserer Gemeinde aktiv gestaltet.


Ein Bett, Nachttisch, drei Stühle, ein Tisch – darauf Tassen, Teller, Besteck, ein Blümchen und Kaffeedose, Butter, Brot und Mamelade. Wer an diesem Samstag zum Gottesdienst kam, sah sofort, dass sich Jugend sehr aktiv in die Gestaltung einmischen würde. Und natürlich waren wir gespannt.



Nicht mit Orgelklängen, sondern mit Bongo, Geige, Flöte und Klavier wurde der Gottesdienst eröffnet, danach eine freundliche Begrüßung von zwei netten Mädchen. Das war durchaus ungewohnt, nicht unangenehm – im Gegenteil.




Doch es wären keine echten jungen Leute, wenn sie sich nicht noch etwas Besonderes, Tiefsinniges und selbstverständlich Humorvolles hätten einfallen lassen. Zwei energische Leute – Sportreporter mit Kopfhörern und Mikrofon – verschanzen sich in ihrer imaginären Kabine und lassen Fußballgefühle aufkommen: „Herzlich willkommen liebe Zuschauer. Heute erwartet uns wieder eine spannende Begegnung aus dem Stadion Reihenhaus 5a. Wir sind live dabei. Die Teams befinden sich noch in der Vorbereitung und machen sich gerade warm... Und jetzt der Anpfiff..."



Auf der Bühne klingelt ein Wecker, von Fußball keine Spur. Etwas träge wälzen sich Gertrud und Hans aus den Federn. Anziehen, Zähneputzen, Haarekämmen, Sohnemann Konrad wecken und gemeinsam reichlich lustlos am Frühstückstisch sitzend, droht die Situation immer wieder zu eskalieren: „Ja, ja der Konrad. Den darf man natürlich nicht übersehen. Er ist immer für eine Überraschung gut und hat schon mehrfach die beiden anderen gegeneinander ausgespielt."





Das Blumenwasser wird in die Kaffeetasse verfrachtet, Null-Bock in reinster Natur... „Es kommt zu keinen längeren Ballstafetten. Was für ein träger Kick. Da müsste einer mal die Initiative ergreifen...  Es scheint, hier ist jeder zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Das Zusammenspiel ist katastrophal, da klappt ja gar nix."


Gertrud gibt in ihrer Not dem Sproß einen erzieherischen, aber eher symbolisch anmutenden Klaps, den der Junge geschickt ausnutzt, um sich theatralisch zu Boden zu werfen. So ein Fußballspiel würden Zuschauer im Stadion gnadenlos auspfeifen, aber in der Reihenhaus-Familie feiert dieses dröde Spiel oft tägliche Wiederkehr. Dann endlich die erlösende Halbzeit.



Die beiden Moderatoren sind sich uneinig über die Qualität des Spiels, einig scheinen sie darin, dass die Pause gut tut. „Als wenn es nicht schlimm genug wäre, diesen Tag in Ihrer Gegenwart verbringen zu müssen. Das ganze erinnert mich an einen lauen Sommerkick, eine ganz schwache Vorstellung. Alles viel zu passiv. Wenn die so weitermachen, geht hier keiner als Sieger vom Platz. Ich habe das Gefühl, die können ewig spielen, ohne dass jemand zum Erfolg kommt."



Die Akteure kommen wieder auf`s Spielfeld. Müde sehen sie aus, wenig motiviert. Wäre man nicht Zuschauer, müsste man direkt teilnehmen an dieser armseligen Langeweile, man würde leiden, oder austakten... „Da ist Gertrud… rüber zu Hans … wieder Gertrud … jetzt mal zu Konrad ... der wieder zu Gertrud … Gertrud bedient hier alle sehr geschickt. Die Aktionen in die Tiefe fehlen jedoch völlig. Manchmal müssen die Chancen eben erzwungen werden. Davon sind hier jedoch nicht einmal Ansätze zu erkennen. Es ist kein Pfeffer in dieser Begegnung."

Schweigend löffeln die drei auf der Bühne ihre Suppe, bis Muttern es nicht mehr aushält, sich einer alten Erinnerung bemächtigt: mal fragen, wie der Tag war. Und dann tut sie etwas, worauf keiner der anderen gefasst ist, sie fragt tatsächlich...
„Das ist schön anzusehen, mit diesem Vorstoß hätte wirklich keiner mehr gerechnet. Auch Hans und Konrad werden da überrascht. Da verpufft das Ganze auch schon im Ansatz, Hans und Konrad lassen sie da böse auflaufen."



Jeder steht schweigend auf, zieht sich zurück – ins Zimmer, in die Betten. Auch ein letzter Versuch, Kontakt aufzunehmen, wird abgewiesen. „Ein Grottenkick, den man sich nicht ein zweites Mal ansehen möchte."


Der Sinn war trotz aller Komik leicht zu entdecken. Erleichtert waren wir, zu erfahren, dass die jungen Leute das Manuskript sich hatten schicken lassen. Hoffentlich haben sie nicht gedacht: „Genau wie bei mir zu Hause...!" Ansätze dazu spürte sicher jeder an der einen oder anderen Stelle.

Gern erinnere ich mich an diesen Gottesdienst, nicht nur wegen dieser kleinen Theaterszene, sondern auch wegen den gemeinsamen Liedern, der Predigt von Simon Krautschick, dem Miteinander. Und ich freue mich darauf, wenn die jungen Leute wieder Initiative ergreifen und das aktiv mitgestalten, wozu sie sich zugehörig wissen.



(Text: LU | Fotos: FE, LU)