Bericht mit Bildern

Samstag | 07.03.09

4. Festgottesdienst 10|100 begegnungsweise

Gemeinde Dresden-West

Der Saal war wieder gut besetzt. Gäste waren da, auch besondere. Der 4. Festgottesdienst des Jahres begann mit einem Chorlied, der Gemeindegesang wurde durch Orgel und Bläser feierlich begleitet.




Besondere Gäste waren Martin Herziger und seine Frau, die aus Brandenburg angereist waren. Martin Herziger, durch das Alter gebeugt und mit ungewöhnlich markanten Falten im Gesicht gezeichnet, hatte in den frühen sechziger Jahren hier in Dresden als Prediger gearbeitet. Etwas mühsam erhob er sich, um zur Begrüßung nach vorn zu kommen, langsam jede seiner Bewegungen.
Doch nach der ersten persönlichen Frage durch Rüdiger Müller schien Leben in diesen alten Mann zu schießen. Die Augen begannen zu leuchten, die grobe Stimme wurde frischer und die eine oder andere kleine Anekdote löste auch in den Zuhörern ein geheimnisvolles Aufleben aus. Ja, Martin Herziger hatte seinen Dienst gern gemacht, engagiert und Menschen zugewandt. Und dieses Engagement schien ihm selbst das Leben immer wieder neu möglich und lohnenswert werden zu lassen, bis heute. Die Ostereierstory vom SONNENHOF, bei der zwei der hundert Nester erst bei den Herbstputztagen im Gelände wieder gefunden wurden, stimmt ihn heute nach Jahrzehnten noch sichtlich vergnügt, und uns natürlich auch.

Seiner Predigt stellte er dann den Text aus Apostelgeschichte 27 voran, Paulus auf der Seereise nach Rom. „Sieben Fehler haben die Seeleute damals gemacht“, das Grundproblem dabei: sich wichtiger und unverzichtbarer Dinge zu entledigen, die eigentlich ins Boot gehören – eingeschlossen Menschen. So kann die Sache in der Welt nicht gut gehen, so kann es auch in der Gemeinde nicht gut gehen.

Aus der dramatischen Geschichte damals entwickelte nun Martin Herziger seine Predigt, mit der er uns als Pastor und erfahrener Seelsorger den Blick öffnen wollte – um unsertwillen und unserer Mitmenschen willen. „Wir sind alle auf einem Schiff! Nicht nur wir als Gemeinde – die gegenwärtige Finanzkrise macht uns das unmissverständlich deutlich. Wir dürfen in solchen Krisen nicht dem Fehler verfallen, wichtige Dinge, Werte, und Menschen über Bord zu werfen!“
Die Thematik erschien wenig trocken theoretisch. Der Mann dort vor uns wusste, wovon er sprach. Er hatte Bilder im Kopf, die ihn motivierten, uns so eindringlich sein Anliegen vorzutragen. Sein fesselnder Gesichtsausdruck untermauerte die Dringlichkeit, die er selbst spürte. „Nicht Flucht, nicht Schuldzuweisung, sind Lösung, sondern nur echtes Engagement um Jesu Willen!“ Und „Wir sind alle mit Gaben ausgestattet, die es einzusetzen gilt. Letztlich beginnt sich Jesus durch unser Engagement nicht nur in anderen widerzuspiegeln, sondern auch in uns selbst. Wenn wir uns engagieren, verändern wir die Welt positiv, und wir selbst verändern uns dabei auch positiv – liebe Gemeinde, liebe Jugend, liebe Gäste!“

Paulus mit seinem kaum zu bremsenden Engagement für Gottes Sache, das war unverkennbar, ist Vorbild für Martin Herziger. Und das Leuchten in den Augen dieses erfahrenen Mannes da vorn hinter dem Sprecherpult bestätigte seine tiefe Freude darüber, selbst ein kleiner Baustein dieses Projektes sein zu dürfen – Menschen für Jesus zu gewinnen.



„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – mit diesem Lied von Dietrich Bonhoeffer durch den Chor vorgetragen, klang dieser Festgottesdienst feierlich aus. Danach waren wir in gewohnter Weise zum gemeinsamen Essen eingeladen, das Raum für viele Gespräche bot.


(Text|Fotos: KW, LU)