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Text des Monats

"Dein Wille geschehe."

Manchmal ist es ganz angenehm, zu delegieren, kleine Entscheidungen abzugeben oder sich durch den Zufall abnehmen zu lassen – vielleicht auch als Flucht vor kniffeligen Fragen oder Konflikten. Dann ist man für die Konsequenzen nicht verantwortlich und lebt zuweilen harmonischer. Anders sieht es natürlich aus bei Dingen, die für mich zentral und persönlich von Bedeutung sind, an denen ich aus Überzeugung, aus Prinzip oder emotional hänge. Hier einen anderen entscheiden lassen? Unmöglich! Das hieße Selbstaufgabe ...
Die so unterwürfig klingende Floskel „Dein Wille ... „ scheint sich mit der Würde des Menschen und der Kraft seiner Persönlichkeit nur schwer zu vertragen. Allenfalls Schwäche und Harmoniesucht oder auch einfach tiefe Ratlosigkeit würden diesen Satz ermöglichen. Oder Resignation. Resignieren – das bedeutet für uns „aufgeben“. Ursprünglich jedoch bedeutet es in lateinischer Sprache „entsiegeln“, auch öffnen, lösen, aber auch frei geben, zurücktreten.

Bei den meisten von uns sind auch rein körperlich die Muskeln, welche festhalten und heranziehen, wesentlich stärker als die lösenden. Diese Muskeln sind es auch, die viel schneller verkrampfen. Seelisch ist es wohl nicht anders.
So scheint dieser Hinweis als ein Impuls zum Loslassen, zum Zurücktreten und Übersicht gewinnen sehr heilsam für uns zu sein. Das erscheint gerade in einer Welt, in der Besitzstände, Macht und Einfluss die entscheidenden Größen sind, sehr nötig.  Und doch wäre damit allein die existentielle Kraft dieses Wortes für Dich und mich noch nicht beschrieben.

Dieser Satz kann nicht abstrakt und zusammenhangslos bleiben. Er ist einem Gebet entnommen – dem bekannten „Vaterunser“. „Dein Wille geschehe“ – das ist im entscheidenden Moment nicht verstehbar als heilsame Übung. Der Sinn dieses Satzes steht und fällt mit der Anrede zuvor. Bei Jesus heißt es: „Unser Vater im Himmel ... Dein Wille geschehe.“ Ohne diese vertrauensvolle Anrede, ohne den Bezug auf einen liebenden Vater bliebe der Satz in den entscheidenden Fragen doch unmöglich.

Aber ohne den liebenden Vater bliebe uns auch nur das Festhalten – und das Loslassen würde uns Menschen schlechterdings unmöglich.

Jesus wusste sehr genau, wie zentral diese Bitte für unser Leben ist. Über ihn heißt es in Philipper 2: „Er hielt es nicht wie einen Raub fest, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst, nahm Knechtsgestalt an und wurde gehorsam ...“.

Der mich aufgesucht hat, der selbst um meinetwillen nicht festhielt, ist auch der, der meine Zeit und mein Jahr 2017 in seinen Händen hält. Wenn ich zu ihm sage: „Dein Wille geschehe“, so ist das nicht Selbstaufgabe, sondern die erlösende Freiheit, zu mir zu kommen.

Und noch etwas: Rein passiv wäre der Ausspruch „Dein Wille geschehe“ als Lebenshaltung nicht nur tatsächlich etwas schwach, sondern auch vollkommen missverstanden. Mit diesem Satz stelle ich mich vielmehr bewusst und aktiv hinter das, was gut ist, was Gott für diese Welt und für meinen Nächsten will – und zwar als einer, der dies aktiv tun kann. Wie könnte ich beten „Dein Wille geschehe“ und dabei übersehen, dass Gott an meinem Nächs­ten ebenso viel liegt, wie an mir; dass seine Not ebenso existentiell ist wie die meine, wenn ich Gott bitte; und dass er mir genau die helfenden Arme gegeben hat, um die auch ich insgeheim so oft bitte? Das jedenfalls lässt sich mit diesem Satz nicht delegieren.

MWi



 

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