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Text des Monats

„Deutschland geht es gut."

Mit diesem Slogan konnte die aktuell beliebteste politische Partei punkten und bei der vergangenen Bundestagswahl ihre Regierungsposition verteidigen. Die Bürger ließen sich überzeugen von der wirtschaftlichen Stärke und der guten Beschäftigungssituation unseres Landes, das sich inmitten eines kriselnden Kontinents befindet. Und tatsächlich: Verglichen mit den meisten Regionen dieser Erde oder den Zuständen in unserem Land vor gerade einmal hundert Jahren ist unsere Gesellschaft unermesslich reich. Die meisten Menschen sind sich dessen bewusst und so hören wir im Kollegenkreis, während Familientreffen oder beim Bibelgespräch häufiger Sätze wie: „Eigentlich haben wir ja so viel.“ – „Eigentlich sind wir ja reich gesegnet.“ – „Eigentlich können wir doch nicht klagen.“ – „Eigentlich geht es uns doch gut.“ Eigentlich …

Dieses „eigentlich“ drückt bereits aus, dass wir leise oder ganz offen daran zweifeln, dass wir wirklich so reich und gesund sind. Wir sind vielleicht beschämt, dass wir so empfinden, weil wir viel über Hunger, Armut, Kriege und Naturkatastrophen aus anderen Ländern hören und selbst davon verschont bleiben. Obwohl es auch bei uns bessere und schlechtere Lebensverhältnisse gibt, besitzt die große Mehrheit zumindest eine warme Wohnung, ein ausreichendes Einkommen, eine gewisse Mobilität und profitiert von politischer und rechtlicher Stabilität. Doch glücklich sind wir deswegen noch lange nicht.

Auf internationalen Zufriedenheitsranglisten rangiert Deutschland regelmäßig nicht in der Spitzengruppe. Menschen aus Kolumbien oder Taiwan sind im Durchschnitt so zufrieden wie wir, obwohl in diesen Ländern ein deutlich geringerer materieller Lebensstandard und unsichere Lebensverhältnisse herrschen. Wissenschaftliche Studien haben herausgefunden, dass mehr Geld und mehr Güter zwar glücklicher machen, wenn man relativ arm ist. Doch mit steigendem Einkommen wird gleichzeitig der Zuwachs an Zufriedenheit immer kleiner. Wer reich ist und nach mehr Reichtum strebt, wird anscheinend nur selten nachhaltig glücklicher.

Unser reichhaltiger materieller Besitz bewahrt uns also nicht davor, zu klagen und unzufrieden zu sein. Wir haben Wünsche und Träume und vergleichen uns lieber mit dem, der mehr besitzt oder erfolgreicher ist als mit den schwächer Gestellten unserer Gesellschaft. Solange der charismatische Kollege mit weniger Aufwand mehr erreicht oder solange die Nachbarin den gepflegteren Rasen, den extravaganteren Urlaub oder das leistungsfähigere Auto vorweisen kann, fällt es uns schwer, das zu genießen was wir haben. Wer nur Abteilungsleiter ist, beneidet den Geschäftsführer. Wer einfacher Arbeiter ist, misstraut dem Vorgesetzten. Wer arbeitslos ist, beneidet den, der früh vor sechs aufstehen darf, um zur Arbeit zu gehen, weil er selbst sozial immer mehr ausgegrenzt wird.

Hier zeigt sich auch, dass unsere Arbeits- und Wirtschaftswelt großen Einfluss auf unsere Lebenseinstellung hat. Paradoxerweise scheint es der materielle Besitz zu sein, nach dem alle streben, weil es alle machen, obwohl er uns, wie oben beschrieben, kein zufriedenes Leben garantiert.

Ich bin überzeugt, dass all diese Empfindungen und Verhaltensweisen auch Christen nicht fremd sind. Und doch haben wir Christen die Bibel als Schlüssel zu einem zufriedeneren Leben in der Hand.  Ich habe darin zwei Anhaltspunkte gefunden, die uns weiterhelfen können:

1.    Wir können uns mit Psalm 107 darauf besinnen, dankbar zu sein für das was wir haben. Dort erkennen wir, dass Hilfe und Rettung, aber auch Reichtum und Überfluss allein von Gott kommen. Unsere eigene Leistung tritt in den Hintergrund. Wir sind nicht wertvoll für das was wir tun, sondern für das was wir sind: Gottes von ihm geschaffene und geliebte Kinder.

2.    In der Bergpredigt (Matthäus 6, 19-34) empfiehlt uns Jesus, uns nicht mit den alltäglichen Sorgen und dem ständigen Streben nach Materiellem vom eigentlichen Sinn des Lebens ablenken zu lassen. Dies befreit uns auch von der Haltung, in der wir immer nur in der Zukunft leben. Stattdessen können wir die Gegenwart genießen oder dankbar zurück schauen (siehe Punkt 1). Außerdem wird uns aufgetragen, unser Herz nicht an „Schätze auf Erden“ zu hängen. Vielmehr sollen wir mit unserer Lebenseinstellung und dem daraus entstehenden Handeln „Schätze im Himmel“ sammeln. Dies gipfelt in der Aussage in Vers 33 „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (Damit sind hier Nahrung und Kleidung gemeint).

Der Wert der Natur, der (Frei-)Zeit oder menschliche Beziehungen werden heute vergleichsweise gering geschätzt. Wissen wir noch wie erholsam und glückssteigernd Waldspaziergänge, Spieleabende oder gemeinsames Kochen sind? Vor allem aber: Wissen wir, wie zufrieden stellend es ist, wenn wir unsere Zeit dafür einsetzen, anderen Gutes zu tun? Da zu sein für alte Menschen mit schweren Einkaufstaschen, für Alleinerziehende, für Rollstuhlfahrer vor steilen Treppen oder einfach für den Nachbarn und die beste Freundin, denen es gerade schlecht geht? Lasst uns die Zufriedenheit unserer Gesellschaft steigern, indem wir Schätze im Himmel sammeln.

FE





 

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