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Text des Monats

Leben, und Gelebt-werden ...

Vor ein paar Tagen hatte ich das Andachtswort gelesen „Meine Zeit steht in Deinen Händen“ (Psalm 31,16). Der Text vermittelt viel von Geborgenheit und Gottes Fürsorge, und so war ich sicher, Gott würde mir bei den vielen aktuell anfallenden Aufgaben in Beruf, Familie, Freundeskreis und Gemeinde beistehen. Nur ein bisschen großzügiger hätte er damals bei der Schöpfung mit der Zeit schon umgehen können, damit der Tag ein paar Stunden mehr hätte und alle Aufgaben und Pläne erledigt werden könnten.

Heute war plötzlich vieles anders: Eine kleine Unaufmerksamkeit, der nachfolgende Sturz auf der Treppe und die mit den Verletzungen verbundene Krankschreibung. Plötzlich hatte ich ZEIT. Zeit, die ich vorher so vermisst hatte und der ich ständig hinterher geeilt war.

Ich lag im Bett und konnte nichts tun. Auf einmal war ich bei dem so wichtigen Projekt auf Arbeit ersetzbar, und alle Worte des Chefs wie „unmöglich“ und „unverzichtbar“ bei der Ablehnung meines Kurzurlaubsgesuches wenige Tage zuvor waren hinfällig. Die Teilnahme an den Konzerten des Chorprojekts am nächsten Wochenende hatte sich ebenfalls erledigt, dabei hatte ich doch so viel Zeit in die Proben investiert. Und die Familienfeier in der folgenden Woche musste auch noch abgespeckt oder ganz abgesagt werden.

In mir stieg Groll hoch. Mit Gott hadern konnte ich nicht, denn der Sturz hätte noch schlimmere Folgen haben können, vor denen ich bewahrt worden war. Je mehr ich über meine Situation nachdachte, desto mehr wendeten sich meine Gedanken der Fragestellung zu, warum ich ständig unter Zeitdruck litt. Mir wurde bewusst, wie stark ich einerseits geprägt war von den Erwartungen anderer an mich, die „man“ zu erfüllen hatte, und wie sehr es andererseits um die Verwirklichung meiner selbst ging. Schließlich wollte ich an allem teilhaben und hatte es mit harter Arbeit verdient, berufliche Karriere mit Familie zu kombinieren, meinen Hobbys nachgehen zu können und immer noch etwas Zeit für die Gemeinde übrig zu haben. Überrascht musste ich feststellen, wie sehr ich der Werbung in den Medien erlegen war, die vorgaukelte, fast alles haben und erleben zu können. Und hatte ich nicht auch gelernt, von Gott „in Fülle“ gesegnet zu sein?

Beim Lesen der Bibel nahm ich auf einmal bewusst wahr, dass es neben den Texten von der Fülle auch noch Texte zum Verzicht gab: „Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, so wollen wir uns daran genügen lassen.“ (1. Timotheus 6,8) Doch welche meiner Bedürfnisse waren wirkliche und welche nur vermeintliche?

Je intensiver ich nach einer Lösung suchte, desto mehr bemerkte ich, wie sehr es auf mein Werteverständnis ankam. Es würde nötig sein, sich bei dem einen oder anderen Liebgewonnenen zu beschränken oder gar vollständig zu verzichten. Und automatisch war ich wieder in der Gedankenschleife gefangen, ich könnte etwas Wichtiges verpassen, „es“ wird erwartet, „man“ kann doch nicht, oder doch? Damit verbunden nahmen auch die praktischen Fragen zu, wie ein Ausbruch aus der Zeitfalle, dem Gelebt-Werden, gelingen könnte. Immer wieder kehrte ich zur lange verdrängten Frage zurück, was mir im Leben wichtig ist. Und ich nehme mir vor, zu versuchen, durch freiwillige Beschränkung mehr Zeit für die Hinwendung zu Gott und zu meinen Mitmenschen zu gewinnen.

AHo



 

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