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Text des Monats

Ich wäre gern dabei gewesen

Gern erinnere ich mich an das halbe Jahr zwischen Aufbruch im Herbst 1989 und dem Tag der Einführung der harten Währung im Juli des darauffolgenden Jahres, in dem das Land, in dem ich bisher mein Leben verbracht hatte, begann, seine Existenz zu beenden. Jeder Tag dieser Zeitspanne war angefüllt mit Veränderungen, Nachrichten bargen Sprengkraft, es hing eine enorme Spannung in der Luft: wird es besser, wird es schlimmer, hält der an einem seidenen Faden hängende Frieden zwischen Alt und Neu? Eine tolle Zeit für mich als Jugendlicher!

Ich wäre auch damals gern dabei gewesen in den dreißiger Jahren des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, eine Zeit, die Lukas in den ersten Kapiteln seiner Apostelgeschichte sehr eindrücklich beschreibt. Ich hätte mir gewünscht, die Ereignisse hautnah mitzuerleben, sozusagen mittendrin statt nur dabei. Gleichwohl die Auswirkungen damals aus dem Rückblick vielleicht geringer erscheinen (es ging ja um ein geografisch kleines Gebiet, eine begrenzte Anzahl an Leuten), waren sie für die Beteiligten, wie zum Beispiel die Jünger, doch elementar. Erst waren zu Passah (unserem heutigen Ostern) alle Hoffnungen gleichsam mit IHM gestorben, scheinbar das Ende der Bewegung gekommen, nur um drei Tage später mit seiner nicht für möglich gehaltenen Auferstehung wieder Fahrt aufzunehmen. Alles war jetzt möglich, vielleicht würde er nun doch noch das Reich aufrichten (Apg 1,6) und alle ihre Hoffnungen erfüllen. Obwohl er in der Folge häufig mit ihnen zusammen war, kein Wort von der Befreiung Israels, kurz vor seiner Himmelfahrt sogar die klare Absage an diesen Wunschtraum (Apg 1,7). Wieder nichts gewesen!

Ja, Jesus versteht es, menschliche Erwartungen zu enttäuschen! Aber er lässt die, die sich davon nicht abschrecken lassen, nicht im Unklaren, wie es weitergeht. So auch bei seiner Aufnahme in den Himmel, Verheißung und Anweisung zugleich: Bleibt zusammen und empfangt die Kraft von oben – den Heiligen Geist (1,8). Und wieder heißt es warten, immerhin noch mal zehn Tage vergehen nach dem Bericht des Lukas, ehe Jesu Versprechen Wirklichkeit wird.

Als Jünger braucht man schon eine Menge Geduld! Vielleicht sind seinen Nachfolgern in diesen Stunden und Tagen Gedanken wie die folgenden durch den Kopf gegangen: Ist Jesu alte und neue Heimat so weit von unserer Erde weg, dass es so lange braucht? Hat er uns vergessen? Gibt es eine andere Erde, auf der die versprochene Kraft erst mal arbeiten muss? 

Zehn Tage tätiges Abwarten (sie nutzten die Zeit, um einen vakanten Posten nachzubesetzen), und nun ist es so weit – der Geburtstag der Kirche, die Ausgießung des Heiligen Geistes. Das, was als kleine, regionale Bewegung begann, nimmt unheimlich schnell Fahrt auf. Das Sieben-Wochen-Fest (jüdisch: schawuot; altgriechisch: Pentacoste „fünfzigster Tag“), in dem die Juden an den Empfang der zweiten Zehn Gebote (die von Mose geschriebenen, nachdem er die von Gott geschriebenen runter geschmissen hatte) oder – je nach Lesart – ihrer Weizenernte (Erntedankfest) gedachten, hatte sich Gott ausgesucht, um „Schwung in den Laden zu bringen“. Und das gelang ihm – wenn man Lukas glauben darf – mit Bravour. Die Ankunft des Heiligen Geistes wurde, obwohl hinter verschlossenen Mauern realisiert und auf einen kleinen Kreis von Menschen beschränkt, sofort von den zur Feier in Jerusalem zusammengekommenen Menschen wahrgenommen und führte zu einem Massenauflauf.

Obwohl Pfingsten somit die Geburtsstunde der Kirche darstellt und für uns Christen auch heute noch so bedeutend ist, hat es hinter Weihnachten und Ostern so ein bisschen das „Nachsehen“, vielleicht, weil es sich nicht so gut vermarkten lässt (Osterhase, Weihnachtsmann)?! Vielleicht aber auch, weil wir als Kirche mit dem Geschehen damals so unsere liebe Not haben? Beschäftigt sich doch einer der „Lieblingsstreits“ unter Christen mit der Frage, ob der Heilige Geist nun eine Person oder „nur“ eine Kraft ist. Und immer wenn wir versuchen zu verstehen, was es mit IHM bzw. damit auf sich hat, kommen wir ziemlich schnell an unsere Grenzen. Dem Verstand erschließt sich der Heilige Geist mitsamt dem was er tut nicht so richtig.

Petrus war das ziemlich egal, getrieben vom Heiligen Geist und von diesem mit Vollmacht (in mehreren Sprachen) ausgestattet, sagt er mit einfachen Worten das, was wichtig ist. Und das zeigt Wirkung! Berührt von dem, was der Heilige Geist und Petrus ihnen zu sagen haben, schließen sie sich der neuen Bewegung an.

Immer, wenn Kirche aktiv geschaltet wird (wenn die Kraft Gottes, der Heilige Geist in ihr und aus ihr heraus wirkt), dann tut sich was. Aber leider auch hier wieder: Nichts mit Friede-Freude-Eierkuchen und einhundert Prozent, sondern: einige fürchten sich, andere sind ratlos – und viele spotten darüber.
Aber nicht Weniges fällt auf guten, fruchtbaren Boden – und 3.000 Menschen entscheiden sich für diese Kraft und somit die Umkehr hin zu GOTT und SEINEM Sohn Jesus Christus.

Und wir, wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Pfingsten ist für die Kirche und der Heilige Geist für uns Christen auch heute noch das, was der Kraftstoff für Autos ist – Benzin oder Diesel und neuerdings auch Strom macht Autos nicht schöner, nicht größer, nicht luxuriöser – es hilft ihnen nur zu fahren und somit ihrer eigentlichen Bestimmung gerecht zu werden. Und darum geht es doch, oder nicht?

Und deswegen wäre ich damals gern dabei gewesen – und denke: vielleicht ist es heute wieder Zeit für Pfingsten?

DR



 

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