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Text des Monats

Macht euch ... untertan und herrscht

... mit diesen Worten wird der Mensch schon auf der zweiten Seite der Bibel (1 Mo 1, 28) legitimiert zu handeln, mehr noch – er soll gestaltend eingreifen, dafür Sorge tragen, dass die Dinge in seinem Verantwortungsbereich Erde so geregelt werden, dass dieser gottgeschenkte Lebensraum für alle – Mensch und Tier gleichermaßen – erhalten bleibt.

Untertan machen allerdings wird seit Menschengedenken interpretiert, ausbeuten und aussaugen zu dürfen. Herrschen wird als Freibrief gedeutet, unterdrücken und auch töten zu können. Auf diesem martialischen Prinzip basiert die gesamte Menschheitsgeschichte – nicht nur Auschwitz. Dieser Interpretation folgend, wurden ungezählte Menschen zu Ausgebeuteten.

Der Lebensraum wird zugeteilt, denen, die ihre Haut zu Markte tragen müssen, um wenigstens Anteil am Leben behalten zu dürfen. Die Rahmenbedingungen, den Preis, die Teilhabe bestimmen diejenigen, die über Mittel verfügen. Es sind nicht nur die Superreichen, die das Herrschen in dieser Weise für sich und ihre Zwecke praktizieren.

Dieses auf dem Evolutionsgedanken basierende Lebensprinzip sickert durch viele Köpfe: Auch ich hoffe und sorge darum, gleichermaßen wie bisher, weiter leben zu können oder sogar etwas mehr als bisher dem großen Ganzen privaten Zugewinn abringen zu können. Dass all das immer nur zu Lasten Anderer funktionieren kann, will ich nicht wirklich hören.

Nicht nur Menschen leiden. Tiere als Gottes Geschöpfe sind in diesem brutalen Prozess zur Schlachtmasse geworden – geschundene Kreaturen, die im Zeitalter perfekt ausgeklügelter Produktions- und Tötungstechnologien weder flüchten noch sich zur Wehr setzen können. Sie sind nicht mehr Lebewesen, sondern „wachstumbeschleunigte Rohstoffe“.

Macht euch ... untertan, herrscht. Wenn ich die Augen vor den Begleiterscheinungen solchen Denkens verschließe, stellt sich zumindest in meinem Sichtfeld recht schnell zwar nicht Zufriedenheit, aber ein gutes Maß an Beruhigung ein. Wir haben es hingekriegt. Solange meine Wohnung warm, die Miete zu bezahlen, der Supermarkt geöffnet und die Wohnungstür abschließbar bleiben, scheint die Welt nicht sonderlich im Argen zu liegen.

Und die Politik? Sie soll Systeme schaffen und Prozesse führen, die mir persönlich diese Annehmlichkeiten langfristig sichern. Dafür zahle ich, dafür wähle ich. Dafür geht man auch mal demonstrieren. Politik als Handlungsgehilfe. Ich lasse ... untertan machen, ich lasse herrschen.

Macht euch ... untertan, herrscht. Ein wichtiger Querverweis dieses alttestamentlichen Gottesspruches ist im neuen Testament zu finden (Matth 25, 14-30). Jesus hat es in ein Gleichnis gefasst. Es erzählt von einem Mann, der sein gesamtes Kapital, das Unternehmen, in Anteilen seinen Angestellten anvertraut. Sie sollen es selbst verwalten während einer längeren Abwesenheit. Sie sollen selbst untertan machen und selbst herrschen.

Das Gleichnis begleitet die Leute nun bei ihrem Tun, verrät ihre Entscheidungen. Sie gehen hin, beginnen fleißig und mit Umsicht, das Anvertraute zu investieren. Sie arbeiten damit, handeln, wirtschaften gut, gestalten und gewinnen. Nur einer mag nicht. Er hat, was er braucht und sieht keine Handlungsnotwendigkeit. Die Welt ist seiner Meinung nach in Ordnung, wie sie ist. So verweigert er sich, vergräbt das anvertraute Kapital. So kann er nichts falsch machen, so macht es keine zusätzliche Mühe. Er spürt Angst vor dem Risiko. Er kennt die mögliche Konsequenz. Aber er wird bereit sein, wenn sein Herr kommt – so denkt er.

Blättert man eine Seite zurück, so entdeckt man einen weiteren bedenkenswerten Ansatz Jesu (Matth 24, 45 - 51). Untertan machen und herrschen bedeutet demnach, „zur rechten Zeit zu essen geben“. Auch die andere Seite menschlichen Handelns beschreibt Jesus: „und fängt an, seine Mitknechte zu schlagen, isst selbst und trinkt mit den Betrunkenen ...“ und die Bewertung nennt der Text in jeweils einprägsamen Bildmotiven.

Untertan machen und herrschen – beides muss heute von mir persönlich neu überdacht werden. Die biblischen Texte zeigen, dass ich mich weder um eine klare Position noch um konkretes Handeln drücken kann. Ich kann mich nicht verstecken dahinter, nichts tun zu können. Ich kann auch nicht darauf verweisen, an Missständen keinerlei Mitschuld zu tragen. Handlungsraum und -themen finden sich bereits im Schwenkbereich meiner Wohnungstür.

Selig ist der, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht.“ (Matth 24, 46)

LU





 

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